Sonntag, 4. April 2021

[Rezension] Mein Leben als lexikalische Lücke von Kyra Groh

Hardcover
 
Ab 14 Jahren
448 Seiten
ISBN: 978-3-03880-044-6
Erschienen: 18.03.2021

Klappentext:

Benni macht ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus und hat Angst, dass er es nie schaffen wird: Blut abzunehmen, vom nerdigen Benni zum coolen Ben zu werden, den allgegenwärtigen Kruzifixen in der beengten Wohnung seiner Mutter zu entkommen. Eingeengt fühlt sich auch Jule, und zwar von dem Weltbild ihrer Eltern. Denn die haben absolut kein Verständnis für vegane Ernährung, Freitagsdemonstrationen oder Anti-Rassismus-Plakate. Und sie würden schon gar nicht verstehen, dass ihre Tochter eigene Ideale vertritt und Teil einer Veränderung sein möchte, die die Welt so dringend braucht. Als die beiden innerlich zerrissenen Teenager aufeinandertreffen, wird ihr Leben bunter, komplizierter, aber auch so viel erträglicher!

Quelle: Arctis Verlag

Rezension:

Endlich ist er da: Der neue Jugendroman von Kyra Groh. Leute, was habe ich mich auf dieses Buch gefreut! Mit dem Vorgänger „Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion“ hat mir Kyra Groh im vergangenen Jahr ein Top-Jahreshighlight beschert. Ich konnte es daher kaum mehr erwarten mich endlich auf ihr neues Jugendbuch stürzen zu können.

Eigentlich wollte Benni nach der Schule in Holland studieren und der beengten Wohnung seiner Mutter entfliehen. Stattdessen macht er nun ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus und ist sich sicher, dass er es nicht packen wird. Und er hat Angst, dass sich sein Leben nie ändern und er für immer bei seiner altmodischen und gläubigen Mutter wohnen wird.

Auch Jule fühlt sich zu Hause eingeengt. Ihre Eltern, die völlig andere Ideale vertreten als ihre Tochter, haben überhaupt kein Verständnis für Jules Weltbild, ihre vegane Ernährung oder ihre Anti-Rassismus-Plakate.
Als Benni und Jule aufeinandertreffen, fühlen sich die beiden das erste Mal wirklich verstanden. Ihr Leben bekommt endlich mehr Farbe, es wird komplizierter, aber auch leichter werden und so viel schöner.

Okay. Können wir bitte mal festhalten, dass ich dieses Buch innerhalb eines Tages durchgesuchtet habe und das, wo es gute 460 Seiten hat? Also für mich ist das extrem schnell. Rekordverdächtig schnell. Ich habe den neuen Jugendroman von Kyra Groh förmlich inhaliert, anders kann man es nicht sagen. Einmal mit dem Lesen begonnen, konnte ich irgendwie gar nicht mehr damit aufhören. Was bin ich froh, dass ich an einem Tag zu „Mein Leben als lexikalische Lücke“ gegriffen habe, an dem ich massenhaft Zeit zum Lesen hatte. Mir wäre es wirklich verdammt schwer gefallen, das Buch für eine etwas längere Zeit wieder aus der Hand zu legen.

So, nach diesem sehr euphorischen Einstieg kommt es nun vermutlich wenig überraschend für euch, wenn ich euch sage, dass ich total begeistert von Kyra Grohs neuem Werk bin, oder? :D

Ich muss ja gestehen, dass ich mir von „Mein Leben als lexikalische Lücke“ immens viel erhofft habe. Da mich Kyra Groh mit ihrem Jugendbuchdebüt so dermaßen aus den Socken hauen konnte, waren meine Erwartungen an ihren zweiten Contemporary Young Adult Roman natürlich enorm hoch. Und tja, was soll ich sagen, sie wurden komplett erfüllt. Kyra Groh hat mir auch mit „Mein Leben als lexikalische Lücke“ ein absolutes Jahreshighlight und neues Herzensbuch geschenkt.

Ehe ich euch weiter von dem Buch was vorschwärme, kurze Info an alle, die Kyra Grohs ersten Jugendroman nicht kennen: Man muss diesen nicht gelesen haben, um den Geschehen in „Mein Leben als lexikalische Lücke“ folgen zu können. Die Bücher spielen zwar im selben Universum und hängen somit ein bisschen zusammen, sie erzählen allerdings vollkommen eigenständige Geschichten. Wer den Vorgänger aber kennt, wird, wie ich, großen Grund zur Freude haben, denn zwei Charaktere, die wir in „Sicherheit ist eine verdammt Illusion“ kennengelernt haben, dürfen wir hier kurz wieder begegnen. So etwas liebe ich persönlich total, wenn Autor*innen ihre Bücher ganz leicht miteinander verknüpfen.

So, dann fahre ich jetzt mal mit meinem verzückten Geschwärme fort.

Was ich ohne Ende loben könnte, ist der geniale Schreibstil. Er ist mitreißend, klug und herrlich humorvoll und enthält eine fabelhafte Mischung aus jugendlicher und ausdrucksstarker Sprache. Ich habe mich von den ersten Zeilen an wieder in Kyra Grohs wunderschönen Erzählstil verliebt und mich von ihren Sätzen verzaubern lassen. Jetzt, im Nachhinein, bereue ich es, dass ich mir keine Zitate markiert oder notiert habe. Ich bin beim Lesen über so viele wunderbare und intelligente Formulierungen gestolpert. Irgendwie ist das Zitate aufschreiben nur nicht so mein Ding. Ich denke da in der Regel einfach nicht dran, grummel. Zum Glück lassen sich aber die tollen Worterklärungen an den Kapitelanfängen schnell wiederfinden. Unsere beiden Hauptprotagonisten, müsst ihr wissen, besitzen beide eine große Leidenschaft für besondere Wörter und wir Leser*innen kommen zu Beginn eines jeden Kapitels in den Genuss von einem dieser Begriffe plus kurzer Erläuterung. Da werde ich mir auf jeden Fall noch welche notieren.

Unsere zwei Hauptprotagonisten Benni und Jule haben mein Herz im Sturm erobert. Die Geschichte wird abwechselnd von den beiden erzählt, jeweils in der Ich-Form, und mir ist es bei beiden meisterhaft gelungen, mich in sie hineinversetzen. Benni und Jule – beide sind sie zwei ganz zauberhafte, liebenswerte, authentische und einzigartige Charaktere. Ich könnte echt nicht sagen, wen von den beiden ich lieber mochte. Benni habe ich richtig dafür geliebt, dass er so süß und schüchtern ist und eine ähnliche unsichere und wenig selbstbewusste Art hat wie ich. Benni hält sich selbst für einen ziemlichen Nerd und Versager und kann sich nicht vorstellen, irgendwann mal zu einem coolen und sichtbaren Ben zu werden. Ich habe mich in sehr vielen Dingen in ihm wiederfinden und ihn daher so gut verstehen können.

Auch Jules Denken, Fühlen und Handeln habe ich jederzeit völlig nachvollziehen können. Jule ist ebenfalls ein recht zurückhaltender Mensch, besitzt zugleich aber eine überaus starke und mutige Art. Ich habe Jule zutiefst dafür bewundert, wie sehr sie sich für die Dinge einsetzt, die ihr am Herzen liegen sind und dass, wo ihr Weltbild ein ziemlich anderes ist als das ihrer Eltern.
 
Jule und Benni haben es wahrlich beide nicht leicht zu Hause. Jules Eltern halten überhaupt nicht viel von den Ansichten ihrer Tochter. So haben sie beispielsweise kein Verständnis dafür, dass Jule fortan vegan leben mochte. Auch mit ihrem großen Bruder kommt Jule nicht so gut klar und seit er diese komischen neuen Freunde hat, fühlt sie sich in seiner Gegenwart noch unwohler.  
Benni, der seinen Vater nicht kennt, wohnt alleine mit seiner erzkatholischen und altmodischen Mutter zusammen, die von vielen meist für seine Oma gehalten wird und eine Weltanschauung aus einem ganz anderen Jahrhundert besitzt.

Jule und Benni werden sich im Verlaufe des Buch fantastisch weiterentwickeln und auch ihr Leben soll sich sehr verändern. Positiv verändern. Ich fand die gemeinsamen Momente der beiden, ihre Textnachrichten, Gespräche und ihr Austausch über ihre Probleme so, so schön und unglaublich gut. 

Und auch mit der Liebesgeschichte, die vollkommen glaubhaft und realistisch wirkt und in keinster Weise kitschig oder so, konnte mich das Buch auf ganzer Linie überzeugen.
Mein Leben als lexikalische Lücke“ handelt allerdings noch von so viel mehr als nur der ersten großen Liebe. Kyra Grohs neues Buch erzählt unter anderem von Freundschaft, Familie, Selbstfindung und dem Erwachsenenwerden und es setzt sich mit vielen essenziellen und aktuellen Themen auseinander wie Klimawandel, Politik, Religion und Rassismus. Die Geschichte vermittelt viele bedeutsame Werte und Botschaften, sie inspiriert, macht Mut, regt sehr zum Nachdenken an, sie erwärmt einem das Herz und gibt einem einfach so viel mit.

Zu guter Letzt muss ich euch unbedingt noch von den unvergleichlichen Nebenfiguren berichten. Da hätten wir beispielsweise Jules beste Freundin Kris, die so umwerfend tough ist; ihre beiden Kumpels Lenn und Dschieses (der aussieht wie Jesus) und den einmaligen Krankenpfleger Benil. Mir haben wirklich alle Charaktere wahnsinnig gut gefallen. Allesamt wurden sie erstklassig ausgearbeitet und tragen mit ihren Eigenarten und Besonderheiten dazu bei, dass man unvergessliche Lesestunden mit dem Buch verbringt.

Fazit: Berührend, witzig, intelligent und wichtig. Ein großartiges Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann!

Kyra Groh hat es geschafft und mich auch mit ihrem zweiten Jugendroman so richtig umhauen können. Ich liebe die Geschichte, die so echt, stark, einfühlsam und wundervoll ist; ich liebe die authentischen Charaktere, den Schreibstil, das Cover und, ach, einfach alles. Von mir gibt es eine absolute Herzensempfehlung und sehr gerne 5 von 5 Sternen!
 
 
 





 
Ein großes Dankeschön an den Arctis Verlag und die Netzwerk Agentur Bookmark für das Rezensionsexemplar!

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