Sonntag, 5. April 2020

[Rezension] Pu - Der beste Bär der Welt von Brian Sibley, Paul Bright, Kate Saunders und Jeanne Willis

Hardcover
Mit farbigen Illustrationen von Mark Burgess
Ab 6 Jahren
130 Seiten
ISBN: 978-3-85535-600-3
Erschienen: 09.03.2018

Klappentext:
Vor 90 Jahren erschien Pu der Bär erstmals auf Deutsch, und der Atrium Verlag wurde seine Heimat. Zu diesem Jubiläum erscheinen jetzt vier völlig neue Pu-Geschichten, geschrieben von vier der bekanntesten Kinderbuchautoren Englands.
Pu, der honigliebende Bär von geringem Verstand, hat Geburtstag. Alle seine Freunde haben sich versammelt, um mit ihm zu feiern: das ängstliche Ferkel, der Trübsal blasende I-Ah, die schlaue Eule, der ungestüme Tieger, Kaninchen, Känga und Klein-Ruh, und natürlich Christopher Robin. Gemeinsam erleben sie neue Abenteuer: Sie begegnen einem gefährlichen Drachen, geheimnisvollen neuen Freunden (und Feinden) und einer ganz speziellen Delikatesse.



Rezension:

Winnie-der-Pu, wer hat nicht schon von diesen liebenswerten, gutgläubigen und total hönigverrückten Bären gehört? Wer hat nicht schon dem einmaligen Hundertsechzig-Morgen-Wald einen Besuch abgestattet und sich mit Pu und seinen Freunden in aufregende Abenteuer gestürzt? Also ich bin ein großer Pu, der Bär-Fan! Ich war daher fast schon entsetzt als ich merkte, dass ich „Pu – Der beste Bär der Welt“ noch gar nicht kannte. Das Buch muss völlig an mir vorbeigegangen sein, Schande über mich. Was wäre mir da Wundervolles entgangen, wenn ich nicht noch auf dieses Schätzchen gestoßen wäre.






Es ist nun tatsächlich schon über 90 Jahre her, dass „Pu der Bär“ erstmals auf Deutsch erschienen ist. Anlässlich des 90. Jubiläums haben vier der bekanntesten Kinderbuchautoren Englands vier neue Pu-Geschichten verfasst, die verteilt übers Jahr spielen. Es ist selbstverständlich unmöglich genau wie A. A. Milne zu schreiben – seine Art zu erzählen ist einfach einzigartig. Auch den Zeichenstil des Illustrators E. H. Shepard eins a zu imitieren ist nicht machbar. „Pu - Der beste Bär der Welt“ unterscheidet sich daher natürlich schon vom Original. Aber: In meinen Augen haben die vier Autoren Paul Bright, Kate Saunders, Brian Sibley und Jeanne Willis und der Illustrator Mark Burgess einen grandiosen Job gemacht! Hut ab, wie fabelhaft es ihnen gelungen ist, den Charme des bekannten Kinderbuchklassikers beizubehalten. Ein großes Lob gebührt natürlich auch dem Übersetzer Henning Ahrens, dem es in meinen Augen erstklassig geglückt ist, an der unnachahmlichen Übersetzung Harry Rowohlts anzuknüpfen. Also ich bin total verliebt in diese wunderbare Weiterzählung von „Pu, der Bär“!

Meine Begeisterung für das Buch war schon immens groß, als ich es das erste Mal aufschlug und mich diese umwerfende Karte vorne auf dem ersten Vorsatzblatt anlachte. Die Karte zeigt den Hundertsechzig-Morgen-Wald in allen vier Jahreszeiten und ist wirklich einfach nur ein Traum. Also ich konnte mich an dieser hinreißenden farbigen Doppelseite gar nicht sattsehen.


Als ich mich schließlich endlich von der Karte losreißen konnte und mit dem Lesen begann, war es sofort um mich geschehen. Die erste Geschichte wurde von Jeanne Willis geschrieben und mir persönlich hat diese Erzählung am besten gefallen. Sie spielt im Frühling und handelt von I-Ah, der todunglücklich darüber ist, dass (mutmaßlich) ein anderer Esel sein Unwesen im Hundertsechzig-Morgen-Wald treibt. Ein Esel, der, wie I-Ah, eine große Leidenschaft für Disteln zu hegen scheint und kein Freund des Teilens ist. Ich fand diese Geschichte so, so süß und witzig! I-Ahs Charakter wurde unfassbar gut übernommen, ich liebe seine pessimistische und sarkastische Art!
Die weiteren Charaktere besitzen aber natürlich ebenfalls ihren besonderen Zauber aus dem Original und dies in allen vier Geschichten. Ich liebe wirklich alle vier neuen Abenteuer, aber die Frühlingsgeschichte ist dann irgendwie doch mein persönlicher Favorit.

Nach der Erzählung von Jeanne Willis folgt das Sommer-Abenteuer von Kate Saunders, in welchem sich Pu und Ferkel auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mus machen. Christopher Robin hat Pu erzählt, dass es angeblich an jedem Fluss mindestens ein Mus gäbe. Hm, ob der liebe Pu da nicht vielleicht etwas falsch verstanden hat? Er war schließlich schon ziemlich müde, als Christopher Robin ihm am Abend aus einem Reiseführer über den Nil vorgelesen hat und dort von einem rätselhaften „Mus am Nil“ gesprochen wurde.
Ja, ihr merkt vermutlich gerade: Auch in „Pu – Der beste Bär der Welt“ kommen wir in den Genuss dieser herrlichen Wortverwechslungen. So spielen diese zum Beispiel auch in der Herbst-Geschichte von Paul Bright eine große Rolle, in welcher es um mithütische Geschöpfe geht, die dinosauer sind...Hm, Moment, da kann doch etwas nicht stimmen. Hat Pu seinen Christopher Robin etwa schon wieder nicht richtig verstanden? ;)

Ich habe das Buch quasi mit einem breiten Dauerlächeln auf den Lippen gelesen, weil mich alles so begeistern und verzaubern konnte. In den vier Geschichten wimmelt es einfach nur so vor originellen Ideen, herzerwärmender Momente und unglaublich lustiger Szenen. Der Fantasie sind in diesem Buch wahrlich keine Grenzen gesetzt.

Auch das letzte Abenteuer, welches im Winter spielt und aus der Feder Brian Sibley stammt, enthält lauter herzliche Augenblicke und kreative Einfälle. In dieser Geschichte dürfen wir die Bekanntschaft eines Pinguins machen und wir werden einen tollen Ort zum „Schlitterfahr“ kennenlernen.

Von den genauen Handlungen möchte ich euch dann gar nicht mehr groß was erzählen. Ich will ja schließlich nicht zu viel verraten. Ich kann euch aber versprechen: Ihr werdet aus dem Schmunzeln, Lächeln, Staunen, Mitfiebern und Träumen gar nicht mehr herausgekommen. Für Pu-Fans ist diese Weitererzählung in meinen Augen ein großes Muss! Für Pu-Liebhaber ist es einfach die reinste Freude, all die liebgewonnen Figuren aus A. A. Milnes zeitlosen Klassiker wiederzusehen und vier neue tolle Abenteuer mit ihnen zu erleben. Und wer Pu und seine Freunde noch nicht kennt, sie aber unbedingt noch kennenlernen möchte, kann dies prima mit diesem Gemeinschaftswerk tun.

Zum Vorlesen eignet sich das Buch einfach nur perfekt. Die Erzählweise ist lebendig und kindgerecht, es gibt viele Dialoge und Reime und auf jeder Doppelseite befindet sich mindestens eine Zeichnung.
Vom Verlag wird „Pu – Der beste Bär der Welt“ für Kinder ab 6 Jahren empfohlen und dieser Empfehlung schließe ich mich an. Zuhörer ab diesem Alter sollten dem Geschehen im Text mühelos folgen können. Ich bin mir absolut sicher, dass diese Kinderbuchperle für die allerschönsten Vorlesestunden sorgen wird.

Wovon ich euch nun endlos etwas vorschwärmen könnte, ist die famose Zeichenkunst von Mark Burgess. Anders als im Original, welches schwarz-weiß illustriert wurde, befinden sich in „Pu – Der beste Bär der Welt“ farbige Illustrationen und diese, Leute, sind so wunderschön! Mark Burgess hat meiner Ansicht nach etwas Wundervolles vollbracht. Wie es ihm gelungen ist im Stil von E. H. Shepard zu zeichnen, ist phänomenal. Die Bilder besitzen allesamt diesen zauberhaften alten Charme, den wir aus dem Original kennen, haben zugleich aber auch etwas Modernes an sich. Zu meiner riesengroßen Freude werden die vier Geschichten von vielen, wirklich vielen Zeichnungen begleitet. Sie harmonieren stets ausgezeichnet zum Geschehen im Text und schaffen eine märchenhafte, unbeschreiblich tolle pu-der-bär-mäßige Atmosphäre. Besonders klasse fand ich, dass die Bilder so schön abwechslungsreich sind. Da die Geschichten in allen vier Jahreszeiten spielen, dürfen wir den Hundertsechzig-Morgen-Wald in seiner gesamten Vielfalt wiedersehen oder neu entdecken.


Was mir dann noch wahnsinnig gut gefallen hat, ist das Nachwort, in welchem die vier Autoren, der Illustrator und auch der Übersetzer kurz zu Wort kommen. Die sechs Texte zu lesen, fand ich unheimlich interessant, da wir in diesen unter anderem erfahren, wie die Schriftsteller auf die Ideen ihrer Geschichten gekommen sind.

Fazit: Ein bezauberndes Kinderbuch voller Wärme, Witz und Fantasie! Inspiriert von A. A. Milne haben vier bekannte Kinderbuchautoren Englands in meinen Augen etwas zutiefst Beeindruckendes vollbracht! „Pu – Der beste Bär der Welt“ ist so ein richtiger Kinderbuchschatz, der mir ein unvergessliches Leseerlebnis beschert hat. Die vier neuen Abenteuer, die wir mit Pu und seinen Freunden im Hundertsechzig-Morgen-Wald erleben dürfen, sind einfach nur fantastisch und zum Träumen schön. Der honigliebende Pu, das ängstliche Ferkel, der immerzu Trübsal blasende I-Ah, die kluge Eule, der übermütige Tieger, Kaninchen, Känga, Klein-Ruh, Christopher Robin – allesamt haben sie in den vier neuen Geschichten ihren Auftritt und verzaubern uns mit ihren schrulligen und einzigartigen Eigenschaften. Ich bin total verliebt in die vier warmherzigen Erzählungen und die vielen traumhaften Illustrationen von Mark Burgess und vergebe nur zu gerne volle 5 von 5 verzückten Sternen!






Eigentlich bin ich nicht so jemand, der sich Zitate beim Lesen notiert, aber hier habe ich dann doch öfters mal zum Stift gegrifffen. Eines meiner Lieblingszitate lautet: 

Tja, ich mag neue Freunde, weil man nie so genau weiß, was sie als Nächstes tun. Alte Freunde mag ich aber auch, denn egal wie lange man sie kennt, man entdeckt immer wieder neue Seiten an ihnen.“ 
(Christopher Robin, aus „Winter“ von Brian Sibley, S. 112)


Ein großes Dankeschön an den Atrium Kinderbuch Verlag für das Rezensionsexemplar!
 

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