Dienstag, 6. Februar 2018

[Rezension] Ich wollt, ich wär ein Kaktus von Mina Teichert

Ab 10 Jahren
Gelesen von Julia Nachtmann
2 CDs, 152 Minuten Laufzeit
ISBN: 978-3-86742-387-8
Erschienen: 31.01.2018


Klappentext:

Lu wird so lange die Luft anhalten, bis Mama es sich anders überlegt und nicht wegen ihres neuen Freundes mit ihr aufs Land zieht. Sie fährt ihre Stacheln aus – muss aber bald schon feststellen, dass Mamas Bauer gar nicht so schlimm ist. Und dann ist da auch noch Julian aus ihrer neuen Klasse … 



Rezension: 


Ist das nicht mal ein cooles Cover? Und der Titel erst? Beides konnte mich sofort extrem neugierig auf das Hörbuch machen und da dieses von Julia Nachtmann gelesen wird, habe ich mich bei „Ich wollt, ich wär ein Kaktus“ ganz bewusst für das Hören entschieden.

Was für ein Mist! Wegen Mamas neuen Freund muss Lu fortan auf dem Land wohnen. Ade alte Schule, Freunde und Großstadt und Hallo Kleinstadtmief und langweiliges Leben bei Oma Käthe. Da hilft kein noch so lautes Jammern, Lu muss mit. Manchmal wäre es echt schön, ein Kaktus zu sein, findet Lu. Sie liebt diese stacheligen Pflanzen und hätte jetzt gerade nichts dagegen, selbst ihre Stacheln auszufahren zu können, damit sie niemand mehr verletzen kann. Denn der Umzug ist ja nur das eine, auch die Trennung ihrer Eltern macht der 10-jährigen schwer zu schaffen. Dann aber muss Lu feststellen, dass Mamas neuer Freund gar nicht so übel ist. Auch das Mädchen Lil aus ihrer Klasse mag sie sofort richtig gerne. Tja, und dann ist da noch Julian. Lu findet ihn nett, nur bringt er ihre Gefühle ganz schön durcheinander...

Mit „Ich wollt, ich wär ein Kaktus“ ist Mina Teichert ein schönes Buch für Kinder ab 10 Jahren gelungen. Mit der trotzigen und frechen Lu werden sich wohl die meisten aus der Zielgruppe sehr gut identifizieren können. Ich kann dieses Hörbuch ganz besonders Kindern empfehlen, die selbst gerade die Trennung ihrer Eltern hinter sich haben, da wohl gerade diese am besten mit der Protagonistin Lu mitfühlen können.

Ich selbst musste zum Glück nie durch so etwas durch. Dennoch konnte ich mich die meiste Zeit über sehr gut in Lu hineinzuversetzen und ihr rebellierendes Verhalten nachvollziehen. Allerdings eben nur meistens. Stellenweise hat mich die trotzige und freche Lu etwas genervt. Ich kann es natürlich verstehen, dass die Trennung ihrer Eltern sie schwer getroffen hat und als dann auch noch der Umzug aufs Land dazukommt, ist ihr Leben wirklich am untersten Tiefpunkt angelangt. Da ist es schon verständlich, dass Lu ihre Stacheln ausfährt und sich in einen Kaktus verwandelt, um zu vermeiden, dass noch mehr schreckliche Dinge ihr zu Nahe kommen und sie verletzen. Dennoch habe ich Lu am Anfang als etwas anstrengend empfunden.

Mir war Lu teilweise einfach zu sehr Teenager. Sie ist erst zehn und durch ihr Verhalten kam sie mir oft zu teeniemäßig vor. Dadurch habe etwas gebraucht, bis ich mit Lu warm geworden bin. Nachdem ich mich aber durch Lus Stacheln durchgekämpft habe - zum Glück schmerzfrei ;) - habe ich die 10-jährige doch sehr lieb gewonnen und hatte sehr viel Spaß beim Lauschen ihrer Geschichte.

Zusammen mit Lu erleben wir eine ziemliche turbulente Zeit voller Gefühlschaos und Veränderungen. Neues Zuhause, neue Schule, neue Mitschüler – wahrlich nicht leicht für ein junges Mädchen, dass gerade eh schon stimmungsmäßig ganz weit unten ist.

Anfangs findet Lu auch alles doof. Der neue Freund ihrer Mutter, der Bauer ist. Der nervige Hahn ihrer Oma, der sie morgens immer aus dem Bett kräht, und auch in der Schule verläuft der erste Tag nicht ganz ohne Komplikationen. Gleich am Anfang macht sie sich eine Feindin, nämliche die eingebildete Isa. Doch zum Glück gibt es auch positive Momente, denn das Mädchen Lil rettet sie vor Obertussi Isa und diese Tat besiegelt ihre Freundschaft.
Und dann ist da auch noch Julian, der Lus Gefühle noch mehr durcheinander bringt. Sehr gekonnt baut die Autorin so noch das Thema erste Liebe mit ein, was mir sehr gut gefallen hat, da mich diese Beschreibungen immer sehr ins Schmunzeln gebracht haben.

Mit der Zeit gelingt es Lu dann auch, ihre Stacheln wieder mehr einzufahren und nicht mehr alles als blöd anzusehen. Ihre Entwicklung hat mir sehr gut gefallen, denn sie macht sehr schön deutlich, dass das Leben, so furchtbar es auch gerade sein mag, auch wieder schön und positiv werden kann und dass man Veränderungen eine Chance geben sollte.

Obwohl das Thema eigentlich recht ernst ist, ist es der Autorin prima gelungen, dieses humorvoll zu behandeln. Mich habe Lus Aktionen und ihre Gedanken bestens unterhalten, trotz ihres stellenweise etwas zu nervigen Verhaltens. Ich habe mir das Hörbuch aufgrund des Covers und des Titels zwar ein wenig lustiger vorgestellt, hatte aber dennoch sehr viel Spaß beim Hören.
Besonders gut gefallen hat mir, wie Julia Nachtmann liest. Sie höre ich immer sehr gerne und meiner Meinung nach eignet sich ihre Stimme perfekt für diese Geschichte. Die trotzige Lu bringt sie richtig gut rüber und auch den anderen Charaktere verleiht sie jeweils eine eigene Stimme.


Fazit: Ein witzig-turbulenter Hörspaß, der gekonnt ein ernstes Thema humorvoll behandelt. Ich kann das Hörbuch besonders Kindern empfehlen, die selbst die Trennung der Eltern durchmachen mussten, da gerade diese sich wohl am besten in die Protagonistin Lu hineinversetzen können. Mich hat Lus trotziges Verhalten manchmal ein wenig genervt, aber ich hatte dennoch sehr viel Spaß beim Hören. Julia Nachtmann liest mal wieder klasse und ist für diese Geschichte meiner Meinung nach die perfekte Besetzung. Ich kann „Ich wollt, ich wär ein Kaktus“ absolut empfehlen und vergebe 4 von 5 Sternen!


Vielen Dank an den Silberfisch Verlag, der mir dieses schöne Hörbuch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!


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