Dienstag, 12. Januar 2021

[Rezension] Roboter träumen nicht von Lee Bacon

Hardcover
 
Übersetzt von Ulrich Thiele
Illustriert von Nathalie Kranich
Ab 10 Jahren
336 Seiten
ISBN: 978-3-7432-0858-2
Erscheinungstag: 13.01.2021

Klappentext:

Vor dreißig Jahren sind die Menschen ausgestorben. Jetzt wird die Welt von Maschinen beherrscht. Der Roboter XR_935 findet das genau richtig so. Denn ohne die Menschen gibt es keinen Krieg, keine Umweltverschmutzung, keine Verbrechen. In der Robotergesellschaft läuft alles reibungslos und effizient – bis zu dem Tag, an dem XR etwas Unmögliches entdeckt: einen Menschen. Ein Mädchen, das seine Hilfe braucht …

Quelle: Loewe Verlag

Rezension:

Als ich das erste Mal von „Roboter träumen nicht“ hörte, wusste ich einfach sofort, dass ich das Buch lesen muss. Bücher, die das Thema Künstliche Intelligenz behandeln, reizen mich immer sehr und die Idee, das die Welt von Maschinen beherrscht wird und es keine Menschen mehr gibt, fand ich vom ersten Moment an äußerst interessant – und irgendwie auch erschreckend realistisch. Also ich halte dieses Zukunftsszenerio tatsächlich für gar nicht mal so utopisch.

Von Lee Bacon hatte ich vor einigen Jahren mal ein Buch gelesen, welches ich leider nur so lala fand. Ich war nun sehr gespannt, ob mich der amerikanische Autor mit „Roboter träumen nicht“ mehr begeistern kann.

Vor 30 Jahren sind die Menschen ausgestorben und die Roboter haben die Herrschaft über die Erde übernommen. Die Welt ist seitdem frei von Umweltverschmutzung, es gibt keine Kriege oder Verbrechen mehr und jeder Roboter geht einen strikt geregelten Tagesablauf nach. Auch der Roboter XR_935 macht jeden Tag das Gleiche: Er ist für die Errichtung von Solaranlagen zuständig, arbeitet jeden Tag mehrere Stunden und kehrt abends nach Hause zu seinen beiden Elternteilen zurück, um sich dort wieder aufzuladen. Sein Leben und das seiner beiden Roboterkollegen Ceeron_902 und SkD_988 soll sich jedoch auf einen Schlag ändern, als sie eines Tages eine unglaubliche Entdeckung machen: Nicht alle Menschen wurden ausgerottet. Die Drei treffen auf das Menschenmädchen Emma, das dringend ihre Hilfe benötigt. Ein großes Abenteuer beginnt...

Wie oben bereits erwähnt, hat mir mein erster Titel aus der Feder von Lee Bacon nur mittelmäßig gut gefallen. Als ich aber bei „Roboter träumen nicht“ mit dem Lesen begann, war ich mir bereits nach wenigen Seiten ziemlich sicher, dass mich mein zweites Werk von ihm um einiges mehr begeistern wird. Und wisst ihr was? Ich lag damit vollkommen richtig. :D

Mir hat „Roboter träumen nicht“ unheimlich gut gefallen! Also ich würde sagen, dass es doch wohl eindeutig für das Buch spricht, dass ich es in weniger als zwei Tagen durchgelesen habe, oder?
Insgesamt war die Handlung zwar recht vorhersehbar für mich, muss ich sagen, aber das hat mich in keinster Weise gestört. Ihr ist es dennoch fabelhaft gelungen mich von Anfang bis Ende an die Seiten zu fesseln, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. 

Was mir ganz besonders gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie die Story erzählt wird. Lee Bacon hat die gesamte Handlung aus der Sicht des Roboters XR_935 in der Ich-Perspektive geschrieben und wie ihm das geglückt ist, ist wirklich genial. Dieser nüchterne und meist recht emotionslose Ton, den man von einer selbstdenkenden Maschine erwartet, ist dem Autor in meinen Augen perfekt gelungen. Ich fand es ungeheuer faszinierend mitzuerleben, wie unser Ich-Erzähler denkt und „fühlt“, welches Bild er von uns Menschen hat und wie er sich im Verlauf des Buches verändern wird.

Anfangs hat XR_935, kurz XR, keine gute Meinung von uns Menschen. Da er selbst nicht miterlebt hat, wie die Menschheit ausgerottet wurde und sich dank des Roboterpräsidenten (der sogenannte PRAES1DENT) in seiner Datenbank nur grausige Bilder von der Menschheitsgeschichte befinden, hält er uns zunächst für gemein, dumm und bösartig. In XR_935 wird aber noch ein Umdenken stattfinden. Er beginnt sich zunehmend zu fragen, ob wirklich alle Menschen skrupellos und einfältig waren und es nicht vielleicht doch auch liebe, gescheite und gute Menschen gab. Diesen Prozess mitzuverfolgen, der richtig menschlich wirkt, fand ich wahnsinnig interessant und aufregend.

Was neben den Faszinations- und Spannungsfaktoren ebenfalls nicht zu kommt, ist der Humor. Obwohl wir es hauptsächlich mit Maschinen zu tun bekommen, die ja eigentlich keinen Sinn für Komik haben (auch eigenständig denkende nicht), ist das Buch erstaunlich lustig. Ich habe mich stellenweise köstlich über XRs Roboterkollegen Ceeron_902 amüsiert, der eine große Vorliebe für menschliche Witze hat und diese sehr gerne zum besten gibt, hihi.

Auch SkD_988 hat mir öfters Gründe zum Schmunzeln geliefert. Dieser süße kleine Roboter kann nur über Emojis kommunizieren und ich fand es oft einfach nur herrlich, was für Zeichenkombination er so verwendet.
XR, Ceeron_902 und SkD_988 habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Dieses einzigartige Roboter-Trio muss man einfach gernhaben.
Wenn ich ebenfalls sehr liebgewonnen habe, ist das 12-jährige Menschenmädchen namens Emma. Auf sie wird XR recht zu Beginn der Geschichte treffen und anstatt sie zu melden, was seine Pflicht gewesen wäre, verschweigt er ihr Auftauchen und beschließt sogar, ihr zu helfen. So begibt man sich als Leser*in gemeinsam mit XR, Ceeron_902, SkD_988 und Emma auf eine abenteuerliche und unvergessliche Reise.

Lee Bacon hat mit „Roboter träumen nicht“ einen ganz besonderen dystopischen Kinderroman geschrieben, der vieles auf einmal ist: Fesselnd, lustig, bewegend, gefühlvoll und nachdenklich stimmend. Ich war durchweg am mitfiebern und habe unendlich mit Emma mitgebibbert und mitgebangt. Zugleich saß ich aber auch öfters mit einem breiten Lächeln im Gesicht da, weil ich das Zusammenspiel unserer Freunde so unterhaltsam fand sowie die Versuche der Roboter, die Menschen und deren Welt zu verstehen. Dann hat mich die Geschichte auch sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. „Roboter träumen nicht“ handelt von Freundschaft, Zusammenhalt und Vertrauen, von Vorurteilen und Akzeptanz. Das Buch ist mitreißend, humorvoll und intelligent geschrieben und definitiv nicht für Kinder ab 10 Jahren zu empfehlen. Auch deutlich älteren Leser*innen kann ich es nur ans Herz legen!

Die Gestaltung konnte ebenfalls komplett bei mir punkten. Das Cover gefällt mir richtig gut – meine Neugierde konnte es sofort wecken. Ganz begeistert bin ich auch von dem Personenregister vorne im Buch, bei dem die wichtigsten Charaktere mit schwarz-weiß Illustrationen und kurzen Texten vorgestellt werden. Klasse fand ich auch, wie die Kapitel gezählt werden. Da Roboter im Binärsystem zählen, wurden auch die Kapitel mit Binärzahlen durchnummeriert – eine total coole Idee, wie ich finde.

Das Ende hat mir ebenfalls ausgesprochen gut gefallen. Es ist abgeschlossen (ich gehe daher sehr davon aus, dass es sich hier um einen Einzelband handelt) und hat mich das Buch mit einem rundum zufriedenen Gefühl wieder zuklappen lassen.

Fazit: Spannend, witzig, berührend und klug – ein wunderbares Lesevergnügen für Jung und Alt! Lee Bacon hat mit „Roboter träumen nicht“ ein außergewöhnliches Sci-Fi-Abenteuer ab 10 Jahren geschrieben, mit welchem er mich vollkommen überzeugen konnte. Die Geschichte ist originell und amüsant, sie reißt mit, bewegt und regt sehr zum Nachdenken an. Ein wirklich ganz tolles Kinderbuch, das ich nur empfehlen kann! Von mir gibt es 5 von 5 Sternen! 

 

 







Vielen lieben Dank an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Kommentare:

  1. Hallo Corinna,

    auf dieses Buch freue ich mich auch schon sehr und möchte es im Januar auf jeden Fall auch lesen. Schön, dass es dir gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    Antworten
    1. Hallo Uwe,

      also mir hat es echt gut gefallen! Hoffentlich kann dich "Roboter träumen nicht" genauso begeistern wie mich. Ich wünsche dir schon mal ganz viel Spaß beim Lesen und bin schon sehr auf deine Meinung gespannt. :)

      Liebe Grüße
      Corinna

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