Freitag, 21. September 2018

[Rezension] Wicker King von Kayla Ancrum

Hardcover
Ab 14 Jahren
320 Seiten
ISBN: 978-3-423-76233-5
Erschienen: 21.09.2018

Klappentext:

Lass dich mitnehmen in die Welt von Jack und August! 
Aber gibt es sie wirklich?Ein Brand in einer alten Lagerhalle. Am Tatort zwei Siebzehnjährige, einer davon (der vermutliche Brandstifter) mit Verbrennungen, die beide in die Psychiatrie eingeliefert werden. Einige Monate zuvor: In der Schule hängen August und Jack mit völlig verschiedenen Typen rum, privat verbindet die beiden aber seit Langem eine intensive Freundschaft. Doch Jack, Vorzeigeschüler, Spitzensportler, Mädchenschwarm, entwickelt immer stärkere Halluzinationen und driftet mehr und mehr in eine Fantasiewelt ab. In dieser ist er der König, der »Wicker King«, und August ist sein Ritter. Um Jack nah zu bleiben und zu verhindern, dass dieser sich endgültig in seiner Scheinwelt verliert, lässt sich August auf das Spiel ein: Er begibt sich gemeinsam mit Jack in dessen Fantasiewelt hinein und steuert sie beide damit genau auf die Katastrophe zu, die er verhindern wollte.

Quelle: dtv


Rezension:


Auf „Wicker King“ bin ich tatsächlich erst bei einem weiteren Durchstöbern der Verlagsvorschau gestoßen. Was eigentlich erstaunlich ist, da das Cover ein richtiger Hingucker ist. Dieses hat mich nur zunächst an einen Fantasyroman denken lassen und da ich mich zurzeit nicht allzu oft in dieses Genre verirre, hatte ich „Wicker King“ erst mal keine nähere Beachtung geschenkt. Dann jedoch habe ich mir doch mal den Klappentext durchgelesen und war sofort Feuer und Flamme. Jetzt wollte ich das Buch doch unbedingt lesen und setzte daher sogleich auf meine Leseliste.

August und Jack sind von klein auf die allerbesten Freunde. Allerdings hängen sie in der Öffentlichkeit stets mit verschiedenen Leuten ab, nur privat verbindet sie eine außergewöhnliche Freundschaft. Doch dann entwickelt Jack immer stärkere Halluzinationen, die ihn immer mehr in eine Fantasywelt abdriften lassen. In dieser ist er der König, der „Wicker King“ und August sein Vasall. August versucht zu verhindern, dass sich sein Freund völlig in seiner eigenen Welt verliert und beginnt dessen Spiel mitzuspielen. Leider wird dies nur dazu führen, dass genau das passieren wird, was August zu verhindern versucht hat

Mit „Wicker King“ ist Kayla Ancrum ein ganz besonderer Jugendroman gelungen, der mich von den ersten Seiten an fesseln konnte, der mich aber auch sehr verwirrt hat. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist schon ziemlich schräg und wohl auch nicht jedermanns Sache. Ich muss gestehen, dass ich die Handlung stellenweise schon etwas merkwürdig fand. Sie hat mir aber dennoch richtig gut gefallen und mich so sehr in ihren Bann gezogen, sodass ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen habe.

Mein schnelles Lesetempo kam allerdings nicht nur durch die packende Story, sondern auch durch die tolle Aufmachung des Buches zustande. Die Gestaltung des Innenteils kann man nur als außergewöhnlich bezeichnen. So werden die Seiten zum Ende hin immer dunkler bis sie schließlich ganz schwarz sind. Dann gibt es viele Bilder, Kritzeleien, Briefe, Arzt- und Zeitungsberichte und noch so einiges mehr. All dies nimmt immer mindestens eine ganze Seite ein und da auch die Kapitel oft extrem kurz sind, befindet sich auf einer Seite öfters kein oder nur sehr wenig Text, sodass man beim Lesen wirklich sehr flott vorankommt. Dazu beigetragen hat bei mir auch der Schreibstil der Autorin, welchen ich als sehr angenehm empfunden habe. Er ist zudem sehr jugendlich, was vermutlich auch nicht jeder mögen wird. Meinen Geschmack hat er getroffen und ich denke, dass sich besonders die Zielgruppe von der Schreibweise angesprochen werden fühlt.

Womit ich anfangs so meine Schwierigkeiten hatte, waren die beiden Protagonisten August und Jack. Mir ist es anfangs sehr schwer gefallen, eine Verbindung zu den beiden aufzubauen. Mit August bin ich schließlich noch recht warm geworden, Jack dagegen hatte bis zum Ende des Buches etwas an sich, was mich daran gehindert hat, ihn als richtig sympathisch zu empfinden.
Bei Jack kann ich sogar recht gut sagen, woran es lag. Er leidet an Halluzinationen und driftet immer mehr in seine eigene Fantasywelt ab, sodass er auf mich einen sehr unnahbaren und befremdlichen Eindruck gemacht hat. Allerdings hatte das Ganze auch etwas äußerst Faszinierendes an sich. Wie ich schon meinte, das Buch ist schon irgendwie seltsam, es hat aber zugleich etwas an sich, was einen richtiggehend dazu animiert, immer weiter lesen zu wollen. Zumindest war es bei mir so.

Das Augenmerk der Geschichte liegt auf der Freundschaft der Jungen. Diese ist sehr innig, ehrlich gesagt wirkte sie auf mich manchmal etwas seltsam, so als ob Jack und August schwul wären. Ob sie es sind, ist mir bis jetzt nicht so ganz klar.
Was aber sehr eindeutig ist: Die Jungs sind viel zu sehr voneinander abhängig, ihre Beziehung wird immer zwanghafter und kranker. Dadurch, dass sich August darauf einlässt, Jacks Spiel mitzuspielen, macht er sich quasi selbst zum Untertanen. Jack wiederum nimmt die Rolle des Wicker Kings ein.

Als Leser muss man mitansehen, wie die Jungen immer mehr in eine sogenannte Co-Abhängigkeit abgleiten. Das Erschütterndste ist: Kein Erwachsener greift ein oder bemerkt es, dass mit den Jungen etwas nicht stimmt, sie werden viel zu sehr vernachlässigt.
Jack und August beginnen verstärkt die Schule zu schwänzen, ihre Noten verschlechtern sich, August entwickelt sich zu einem Brandstifter...alles Hinweise darauf, dass etwas mit den Jungen nicht stimmt, die aber keinem Erwachsenen, keinem Lehrer oder den Eltern auffallen. Die Eltern von Jack und August versagen eh komplett in ihren Rollen. August lebt alleine mit seiner depressiven Mutter zu Hause, die nie das Haus verlässt und nur im Keller vor der Glotze hängt. Und Jacks Eltern sind nie da. Sie lassen ihren 17-jährigen Sohn tatsächlich ständig alleine zu Hause, nicht mal an Weihnachten lassen sie sich blicken. Schlimm, oder?

In einem Nachwort erklärt die Autorin noch mal, was sie versucht hat mit diesem Buch deutlich zu machen. Man merkt sehr, dass vermutlich nicht alles in Wicker King frei erfunden ist, was das Ganze nur noch erschütternder macht. Mir persönlich hat die Message des Buches sehr gut gefallen, nur fand ich den kompletten Aufbau der Handlung etwas zu wirr und chaotisch. Dennoch bin ich von dem Buch fasziniert.

Fazit: Fesselnd, verwirrend, erschütternd, faszinierend. Mir hat Wicker King ein ziemlich ungewöhnliches, aber einzigartiges Leseerlebnis beschert. Die Geschichte konnte auf mich von den ersten Seiten an eine richtige Sogwirkung ausüben, sodass ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen habe. Richtig begeistert bin ich von der besonderen Aufmachung, diese ist einfach nur cool und macht das Buch nur noch besonderer und außergewöhnlicher. Das Buch handelt von Freundschaft, Liebe, Vernachlässigung und psychischen Erkrankungen und obwohl ich die Handlung stellenweise doch als ziemlich wirr und schräg empfand, bin ich begeistert. Ich kann das Buch sehr empfehlen und vergebe sehr gute 4 von 5 Sternen! 
 





Vielen lieben Dank an den dtv, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

Kommentare:

  1. Huhu Corni,
    danke für deine Rezi. Das Buch durfte auch bei mir einziehen. Ich bin ja mal gespannt, ob mir die Inhalte auch ein bisschen schräg und wirr vorkommen.
    Liebe Grüße, Petra

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    Antworten
    1. Huhu Petra,

      gern geschehen. :) Dann wünsche ich dir mal ganz viel Spaß beim Lesen und ich drücke die Daumen, dass dir die Story etwas weniger schräg und wirr vorkommen wird. :D

      Liebe Grüße
      Corinna

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