Freitag, 9. Oktober 2020

[Rezension] Insel der Waisen von Laurel Snyder

Hardcover
Übersetzt von Elisa Martins
Ab 12 Jahren
300 Seiten
ISBN: 978-3-95854-146-7
Erschienen: 18.08.2020

Klappentext:

Neun Waisen auf eine Insel,
allein auf der Welt,
einer mehr
und der Himmel fällt …”
Neun Kinder leben allein auf einer paradiesischen Insel. Woher sie kommen und wohin sie gehen, wenn die Glocke ertönt, weiß niemand. Die Insel versorgt die Kinder mit allem, was sie brauchen. Jeder weiß, wofür er verantwortlich ist und es gibt klare Regeln. Doch als Jinny, die Ältestes, die wichtigste Regel bricht und als zehntes Kind auf der Insel bleibt, wendet sich diese gegen sie …
 
 
Rezension:

Bei „Insel der Waisen“ stand für mich sehr schnell fest: Das Buch muss ich sie unbedingt lesen! Das bunte, zugleich aber auch sehr geheimnisvoll wirkende Cover konnte meine Neugierde auf den ersten Blick wecken und auch der Klappentext hatte ich mich sofort. Das Buch klang einfach nur mega gut, daher zögerte ich auch gar nicht lange und ließ es nur zu gerne bei mir einziehen.

Eine idyllische Insel irgendwo im Nirgendwo. Hier leben neun Kinder, ganz auf sich allein gestellt. Woher sie kommen und wohin sie gehen, wenn ihre Zeit auf der Insel vorbei ist, das weiß niemand. Jedes Jahr erreicht ein Boot das kleine Paradies und bringt ein neues Kind. Das älteste Kind muss dafür gehen. So lautet die wichtigste Regel. Es dürfen immer nur neun Kinder auf der Insel sein. Das nun neue älteste Kind erhält die Aufgabe, sich um das jüngste, das sogenannte Mündel, zu kümmern. In diesem Jahr ist Jinny an der Reihe. Sie muss die kleine Ess betreuen und ihr alles erklären und beibringen, was sie wissen muss. Dieses Mal aber ist alles anders. Jinny wird die Erste sein, die sich der wichtigsten Vorschrift widersetzt. Als das Boot kommt und ein neues Kind bringt, bleibt Jinny auf der Insel. Was wird das für Konsequenzen haben? Wie wird die Insel auf diesen Regelbruch reagieren?

Ich muss gestehen, dass mir „Insel der Waisen“ nicht so wirklich die Story beschert hat, mit der ich gerechnet habe. So im Nachhinein kann ich nur irgendwie gar nicht mehr sagen, was genau ich eigentlich erwartet hatte. Vermutlich etwas mehr spannende Abenteuergeschichte. Ehe ihr jetzt aber denkt, dass ich deswegen enttäuscht von „Insel der Waisen“ bin – nein, bin ich nicht. Es war anders als gedacht, ja, das schon, aber keineswegs schlecht anders. Ich habe wundervolle Lesestunden mit dem Buch verbracht und obwohl die Handlung sehr ruhig ist, konnte sie mich von Anfang bis Ende an die Seiten fesseln. Also ich würde sagen, dass es doch definitiv für das Buch spricht, dass ich es in weniger als zwei Tagen durchgelesen habe, oder? :D

Vermutlich haben einige von euch aber schon gesehen, dass ich „Insel der Waisen“ nicht die volle Sternenzahl gegeben habe. Es gab leider einen Punkt, der mir nicht so gut gefallen hat, daher konnte ich dem Buch letztendlich „nur“ 4 Sterne geben. Aber wie gesagt, ich bin dennoch begeistert von dem, was Laurel Snyder da Außergewöhnliches aufs Papier gezaubert hat!

Was mir nicht so zugesagt hat, sind die vielen Fragen, die am Ende unbeantwortet bleiben. So bleibt zum Beispiel unklar, warum die Kinder eigentlich auf der Insel sind. Man muss sich als Leser über vieles selbst seine Gedanken machen und die Geschichte einfach so nehmen wie sie ist. Ich persönlich gehe davon aus, dass es sich bei „Insel der Waisen“ um ein alleinstehendes Buch handelt, hoffe aber sehr, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, in der die vielen Rätselhaftigkeiten gelüftet werden.

Obwohl mich das Ende etwas unzufrieden zurückgelassen hat, habe ich es zugleich auch mit einem beeindruckten „Okay. Wow!“ beenden können. Laurel Snyder ist mit „Insel der Waisen“ in meinen Augen ein ganz besonderer Jugendroman gelungen, dessen Handlung mir ganz bestimmt noch sehr lang sehr gut im Gedächtnis bleiben wird.    

 
Die Geschichte verströmt von Beginn an eine geheimnisvolle, mysteriöse und, ja, fast schon magische Atmosphäre und übt einen Sog auf uns Leser aus, welchem man sich einfach nicht mehr entziehen kann. Bei mir zumindest war es so. Ich habe die Stimmung stellenweise fast schon als ein wenig beklemmend empfunden, was ich aber überhaupt nicht schlimm fand, ganz im Gegenteil.
Mit der Insel ist Laurel Snyder wahrhaftig ein einzigartiges Setting gelungen. Die Insel wird wunderschön und sehr idyllisch beschrieben, strahlt zugleich aber auch irgendwie etwas Bedrohliches aus. Vor allem zum Ende hin, als sich die Merkwürdigkeiten und scheinbar übernatürlichen Dinge häufen, versprüht die Insel nicht mehr die paradiesische Aura wie zu Beginn. Die Story erhält dadurch einen leicht mystischen Touch, was mir unheimlich gut gefallen hat.

Mit der Erzählweise konnte „Insel der Waisen“ ebenfalls bei mir punkten. Ich hätte es zwar eigentlich gar nicht schlecht gefunden, wenn wir die Handlung aus mehreren Perspektiven im Wechsel erfahren hätten, aber auch mit nur einer Ich-Erzählerin bin ich absolut glücklich.

Die Geschichte ist ausschließlich aus der Sicht von Jinny geschrieben. Jinny, muss ich zugeben, war mir nicht immer sympathisch und manche ihrer Entscheidungen konnte ich nicht gänzlich nachvollziehen, aber gestört hat mich das beim Lesen tatsächlich nicht. Ich mochte Jinny dennoch richtig gerne und fand es toll, dass sie (als Einzige) damit beginnt, die Regeln auf der Insel infrage zu stellen und nicht mehr als gegeben hinzunehmen.
Ich fand es ungemein interessant, Jinnys Denken und Fühlen zu verfolgen und zu beobachten, welche Entscheidungen sie trifft und wie sie handelt. Sie agiert oft ziemlich unüberlegt und auch egoistisch, sodass sie auf mich stellenweise noch einen sehr kindlichen Eindruck gemacht hat. Wie alt genau Jinny und die anderen Kinder sind, erfahren wir übrigens nicht. Auch da kann man als Leser also nur Vermutungen anstellen. Ich persönlich habe Jinny auf etwa 12 Jahre geschätzt.
 
Die anderen Kinder, die ebenfalls sehr authentisch ausgearbeitet wurden, mochte ich auch ausgesprochen gerne. Ich fand es spannend zu sehen, wie sie auf der Insel leben, sich selbst Nahrung beschaffen und kochen, wie sie zusammenhalten und einander helfen. Das Zusammenspiel der Figuren zählt zu meinen persönlichen Highlights. Es ist glaubhaft und faszinierend und macht dieses Buch wahrlich zu etwas ganz Besonderem.

Fazit: Eine außergewöhnliche und wunderbar zeitlose Geschichte, die noch lange in einem nachklingt! Mir hat „Insel der Waisen“ ein unvergessliches Leseerlebnis beschert. Das Buch erzählt eine wundersame Geschichte über das Erwachsenwerden und Entscheidungen treffen, über Verantwortung, Veränderungen, Abschied nehmen und Zusammenhalt. Mich hat die Handlung sehr bewegt und nachdenklich gestimmt. Sie hat mich durchweg an die Seiten gefesselt und mit vielen Fragezeichen im Kopf zurückgelassen. Ich hätte mir ein paar mehr Antworten gewünscht, mir persönlich war das Ende etwas zu offen. Ansonsten bin ich aber hellauf begeistert von meinem ersten Werk aus der Feder von Laurel Snyder. Ich kann „Insel der Waisen“ absolut empfehlen und vergebe sehr, sehr gute 4 von 5 Sternen! 

 




 
Vielen lieben Dank an den Mixtvision Verlag für das Rezensionsexemplar!

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