Dienstag, 27. August 2019

[Rezension] Alles okay von Nina LaCour

Hardcover
Ab 14 Jahren
208 Seiten
ISBN: 978-3-446-26435-9
Erschienen: 19.08.2019

Klappentext:
Ein Roman über das Erwachsenwerden, so berührend und großartig, dass man kaum atmen kann. Eine schmerzlich schöne Darstellung von Trauer und ein Lobgesang auf die Kraft der Wahrheit. Marin hat alles hinter sich zurückgelassen, ist Tausende Kilometer geflohen vor ihrem alten Leben, vor dem Verlust ihres geliebten Großvaters. Doch eines Tages steht plötzlich ihre beste Freundin Mabel vor der Tür. Und mit ihr all die Erinnerungen an zu Hause, an Sommernächte am Strand. Mit ihrer Beharrlichkeit gelingt es Mabel, Marin aus ihrem Kokon der Einsamkeit zu befreien. Und Marin begreift, dass sie eine Wahl hat: weiter im Verdrängen zu verharren oder zu ihren Freunden und ins Leben zurückzukehren.

Quelle: Hanser Verlag


Rezension:

Als mir „Alles okay“ das erste Mal im Internet begegnete, war meine Neugierde sofort geweckt. Das Cover finde wunderhübsch, da war es bei mir wirklich Liebe auf den ersten Blick. Der Klappentext konnte mich ebenfalls auf Anhieb überzeugen. Für mich stand daher sehr schnell fest: Den neuen Roman von Nina LaCour möchte ich unbedingt lesen!

Nach dem Tod ihres geliebten Großvaters bricht für Marin eine Welt zusammen. Um ihrem alten Leben und den schlimmen Erlebnissen zu entkommen, flüchtet sie an ein College, viele Tausend Kilometer von ihrem alten Zuhause entfernt. Doch auch hier, an der Ostküste, ist sie vor ihrer Vergangenheit nicht sicher. Als sie während der Weihnachtsferien alleine im Studentenwohnheim ist, steht plötzlich ihre beste Freundin Mabel vor der Tür. Mit ihr kommen die Erinnerungen zurück, Erinnerungen, die sich hinter sich lassen wollte. Mabel aber bleibt und versucht alles, um Marin aus ihrer Einsamkeit und Depression zu befreien. Wird es ihr gelingen? Für was wird Marin sich entscheiden? Wird sie weiter versuchen, alles zu verdrängen oder wird sie mit Mabels Hilfe ins Leben zurückkehren?

Von Nina LaCour hatte ich bisher erst ein Buch gelesen, welches ich leider nur so lala fand. Bei „Alles okay“ sieht das aber ganz anders aus. Ich bin hellauf begeistert von dieser herzzerreißenden und bewegenden Geschichte! Wenn ich ehrlich bin, war ich anfangs schon etwas skeptisch gewesen, da das Buch recht dünn ist. Ich hatte ein wenig befürchtet, dass die Handlung oberflächlich bleibt und mich emotional nicht so mitnehmen wird. Diese Sorge war aber vollkommen unbegründet. Es ist echt Wahnsinn, was alles in diesen 200 Seiten steckt! Mich hat das, was ich hier zu lesen bekommen habe, zutiefst berührt und nachdenklich gestimmt.

Erfahren tun wir alles aus der Sicht von Marin in der Ich-Perspektive. Wie es Nina LaCour gelungen ist, Marins Gedanken und Gefühle dazustellen, ist einfach großartig! Marins große Einsamkeit und unendliche Traurigkeit, ihr Schmerz und ihre Trauer – alles wird so emotional, poetisch und wunderschön beschrieben.
Nina LaCour hat einen tollen und sehr bildhaften Schreibstil. Ich musste mich zwar erst an ihn an gewöhnen, aber nachdem meine kleine Anfangshürde überwunden war, konnte mich Nina LaCour mit ihren eindrucksvollen Worten vollkommen verzaubern und in ihren Bann ziehen.

Dank der einfühlsamen und absolut authentischen Erzählweise ist mir der Zugang zu Marin sehr leicht gefallen. Ich konnte mich problemlos in sie hineinversetzen, habe mit ihr mitgelitten, mitgefühlt und sie unglaublich liebgewonnen.

Da das Buch in zwei Zeitebenen erzählt wird, dürfen wir als Leser zwei verschiedene Marins kennenlernen. Zum einen wäre da die Marin aus der Vergangenheit, die an der Westküste lebt, zusammen mit ihrem geliebten Großvater. Durch die vielen Rückblicke wird deutlich, dass Marin schon immer ihr Päckchen zu tragen hatte. Ihre Mutter ist sehr früh verstorben und ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Sie ist bei ihrem Großvater aufgewachsen, zu dem sie eine ganz besondere und sehr innige Bindung hat. Als wirklich glücklich habe ich die Früher-Marin irgendwie nicht empfunden, aber im Vergleich zu der jetzigen Marin war sie dann doch ein deutlich fröhlicherer Mensch.

Die Marin in der Gegenwart umgibt eine sehr große Einsamkeit und Dunkelheit. Als Leser spürt man nur zu gut, wie schwer sie der Verlust ihres Großvaters getroffen hat. Durch die vielen Wechsel zwischen Jetzt und Früher wird es einem nur noch mehr vor Augen geführt, was Marin alles durchmachen musste.

Das Buch ist schon sehr melancholisch gestimmt und geht unter die Haut. Aber keine Sorge, zu bedrückend und düster ist die Geschichte nicht. Nein, als Leser dürfen wir hier auch so einige glückliche Momente erleben, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Jetzt-Zeit.

Was mir ganz besonders gut gefallen hat, waren die gemeinsamen Augenblicke mit Marin und Mabel. Diese werden so wundervoll beschrieben! Etwas erstaunt hat mich, dass auf das Thema Homosexualität nicht allzu groß eingegangen wird. Da hatte ich persönlich mit mehr gerechnet. Fand ich aber nicht schlimm, dass es anders war, ganz im Gegenteil. Wie Nina Lacour das Thema erste große Liebe hier eingebaut hat, auf so eine zarte und leichte Art, hat mir unheimlich gut gefallen.

Ebenfalls super fand ich, dass Marin und Mabel so stark im Vordergrund der Handlung stehen. Normalerweise mag ich das nicht so gerne, wenn die Nebenfiguren so blass bleiben. Hier aber hat es einfach perfekt gepasst. Mabel ist auch ein ganz wunderbarer Charakter. Sie ist immer für ihre Freundin da, möchte ihr helfen, sie unterstützen, ihr Mut, Hoffnung und Trost spenden. So jemanden wie Mabel wünscht sich wohl jeder an seiner Seite.

Ich habe Marin und Mabel nur zu gerne begleitet. Obwohl die Handlung sehr ruhig ist und der Fokus ganz klar auf den Beziehungen und Emotionen der Charaktere liegt und nicht auf Aktion und Spannung, hat die Story auf mich dennoch eine richtige Sogwirkung ausgeübt, der mich einfach nicht mehr entziehen konnte. Ich habe das Buch quasi in einem Rutsch durchgelesen und für meinen Geschmack leider viel zu schnell wieder beendet.

Was ich zu guter Letzt unbedingt noch erwähnen möchte, ehe ich zu meinem Fazit komme, ist das Setting. Mir hat dieser Gegensatz total gut gefallen. In der Vergangenheit haben wir Sommer und dieses tolle Sommerfeeling wird durch den Schauplatz (Kalifornien) nur noch verstärkt. In der Gegenwart herrscht Winter, es schneit und ist eisig kalt draußen. Ich kann irgendwie gar nicht sagen, welcher Handlungsort mir nun besser gefallen hat. Sie verströmen beide so eine ganz eigene und wunderschöne Atmosphäre.

Fazit: Ein wundervolles Buch, welches einen zutiefst berührt und nachdenklich stimmt. „Alles okay“ ist definitiv mehr als nur „okay“. Nina LaCour ist hier ein ganz besonderes Buch gelungen, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Es erzählt auf eine so zauberhaft schöne, einfühlsame, poetische und absolut authentische Weise eine großartige Geschichte über Freundschaft, Liebe, Hoffnung, dem Erwachsenwerden, Verlust, Trauer und Einsamkeit. Mich hat das Buch auf die reinste emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen. Ich bin hellauf begeistert und vergebe 5 von 5 Sternen!







Vielen lieben Dank an den Hanser Verlag, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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