Donnerstag, 30. August 2018

[Rezension] Lost & Found von Brigit Young

Hardcover
AB 12 Jahren
224 Seiten
ISBN: 978-3-95728-091-6
Erschienen: 16.08.2018

Klappentext:
Seit sie bei einem Autounfall ein hinkendes Bein zurück behalten hat, versteckt sich Tillie Green lieber hinter ihrer Kamera. Durch die Linse nimmt sie viele Details wahr und ist dadurch eine Meisterin im Aufspüren verlorener Objekte. Bis die Suche nach dem Vater ihres Mitschülers Jake sie dazu zwingt, aus dem Schutz der Kamera herauszutreten. Aus der stillen Außenseiterin wird das Mitglied eines Detektivduos, das versucht, den Schlüssel zum Verschwinden von Jakes Vater zu finden. Als sich die Wahrheit als etwas entpuppt, was Jake nicht wahrhaben will, und durch ihre Fotos weitere Geheimnisse ans Licht kommen, muss Tillie sich entscheiden, was – und wer – ihr wirklich wichtig ist. Ein spannend geschriebener Roman über eine trotz Handicap starke Heldin, die ihre selbst gewählte Isolation verlässt.



Rezension:

Bei „Lost & Found“ konnten mich der Klappentext und das Cover auf Anhieb überzeugen. Da wusste ich einfach sofort, dass dies ein Buch ganz nach meinen Geschmack ist. Es wanderte daher sogleich auf meine Wunschliste für den August.

Tillie Greens beste Freunde sind ihre Kameras. Seit die 12-jährige einen schlimmen Autounfall hatte und seitdem nur noch hinkend laufen kann, ist sie eine Außenseiterin und versteckt sich hinter den Linsen ihrer Kameras. Tillie liebt das Fotografieren und knipst überall Bilder, ganz egal wo. Durch ihre Fotos, die eine Menge Details einfangen, ist Tillie eine exzellente Beobachterin und Meisterin im Aufspüren geworden. In der Schule wird sie gerne das „Fundbüro“ genannt, da sie so gut wie alle verlorenen gegangenen Dinge ihrer Mitschüler mithilfe ihrer Fotos wiederfinden kann. Ständig wird sie um Hilfe gebeten, so auch eines Tages von Jake. Dieser jedoch fragt sie bei einer recht ungewöhnlichen Angelegenheit um Rat: Er ist auf der Suche nach seinem Vater, der spurlos verschwunden ist. Die beiden Kinder beginnen gemeinsam der Sache auf den Grund zu gehen. Sehr schnell stellen sie fest, dass der Fall „Jakes Vater finden“ äußerst mysteriös und rätselhaft ist. Eine aufregende Spurensuche beginnt, bei der ein blauer Chevrolet, ein Großraumbüromann und ein Bowling-Center eine Rolle spielen werden. Und natürlich Tillies Fotos. Dank dieser entschlüsselt sie schließlich das Rätsel, traut sich aber nicht, Jake davon zu erzählen, da sie weiß, dass diesem die Wahrheit nicht gefallen wird. Es soll allerdings nicht lange dauern, bis Jake doch noch herausfinden soll, was mit seinem Vater geschehen ist...

Meine Erwartungen wurden hier bei weitem übertroffen. Mir hat das Buch richtig gut gefallen, ganz besonders die Mischung aus Ernst, Humor und Krimigeschichte konnte mich hellauf begeistern.

Wie der Klappentext schon verrät, behandelt das Buch ernste Themen wie das Anderssein, Mobbing und Ausgrenzung. Und auch um das Verlieren und das Wiederfinden geht es in der Geschichte, da ist der Titel wirklich sehr passend gewählt worden. Es werden hier jedoch nicht nur verlorenen gegangene Gegenstände wiedergefunden – es geht auch um den Verlust von Menschen und deren Zurückgewinnen. Das Buch ist wirklich sehr viel tiefgründiger als ich erwartet habe. Es steckt eine Menge zwischen den Zeilen, ich kann „Lost & Found“ daher auch Erwachsenen sehr ans Herz legen.

Erzählt wird das Ganze aus der Sicht von Tillie in der dritten Person. Tillie ist ein ganz besonderer Charakter, mir kam sie für ihre 12 Jahre sehr reif und erwachsen vor. Sie beobachtet ihre Mitmenschen ganz genau und macht sich über vieles ihre Gedanken. Tillie hat keine Freunde, sie ist eine Einzelgängerin, was vermutlich auch dazu beiträgt, dass sie einem vom Verhalten her oft älter als 12 Jahre vorkommt.
Zum Außenseiter wurde sie aufgrund ihrer Verletzung. Tillie hatte vor einigen Jahren einen schlimmen Autounfall, bei dem sie sich ihre Wirbelsäule so schwer verletzt hat, dass sie heute nur noch hinkend gehen kann und immerzu mit Schmerzen zu kämpfen hat.
Mir tat Tillie deswegen schrecklich leid. Nicht nur aufgrund der Schmerzen, gegen die sie regelmäßig Medikamente einnehmen muss – vor allem wie sich ihr Handicap auf ihr Sozialleben auswirkt, macht einen als Leser richtig traurig.
Tillie hat aufgrund ihre Hinkens einen merkwürdigen Gang, weswegen sie überall, wo sie auftaucht, schief angeguckt wird. Und wie das eben leider oft der Fall ist: Menschen, die anders sind, werden meist ausgegrenzt und gemobbt. Tillie hat Zuflucht in ihren Kameras gesucht, die ihr Halt geben und hinter denen sie sich verstecken kann. Durch sie hat sie gelernt, Menschen und Dinge genau zu beobachten und den Blick fürs Detail zu entwickeln.
Mir hat Tillies Denken unglaublich gut gefallen. Mit ihr ist der Autorin wirklich eine außergewöhnliche Protagonistin gelungen.

Ein ebenfalls toller Charakter ist Jake. Er ist witzig, aufgeweckt und ein richtig lieber Kerl. Als Leser muss man ihn einfach sofort ins Herz schließen. Meines jedenfalls hat er im Sturm erobert.

Jake ist auf der Suche nach seinem Vater, der spurlos verschwunden ist. Seine Mutter behauptet zwar, dass er sich auf Geschäftsreise befindet, weicht weiteren Nachfragen aber sehr verdächtig aus. Da stimmt etwas ganz gewaltig nicht, da ist sich nicht nur Jake absolut sicher, auch als Leser spürt man sofort, dass hinter dem Verschwinden von Jakes Vater etwas anderes stecken muss. Nur was?

Es ist einiges an Überredenskunst vonnöten, aber schließlich willigt Tillie ein, Jake zu helfen. Die beiden betätigen sich fortan als Detektive und suchen nach Hinweisen, die ihnen bei der Suche nach Jakes Vater weiterhelfen können.

Ich fand es richtig spannend mitzuverfolgen, wie die beiden Kinder sich auf Spurensuche begeben und auf lauter Hinweise stoßen, die, anstatt Licht ins Dunkel zu bringen, alles nur noch rätselhafter machen. Tillie knackt den Fall schließlich mithilfe ihrer Bilder. Als Leser konnte man sich zum Ende des Buches irgendwann denken, worauf es hinauslaufen wird. Wie die Auflösung lautet, verrate ich hier natürlich nicht, nur so viel: Das Buch gewinnt so nur noch mehr an Tiefe und macht deutlich, dass Kinder oft mehr mitbekommen, als Erwachsene meist denken. Auf eine sehr kindgerechte Weise wurde hier ein sehr schwieriges Thema beschrieben, welches sowohl junge als auch ältere Leser zum Nachdenken anregen wird.

Aber keine Sorge, neben dem Ernst kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz. Besonders Jake mit seiner schrägen und flippigen Art lockert die Geschichte herrlich auf und zaubert uns Lesern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Mit ihm gelingt es Tillie auch endlich, aus ihrer Isolation hervorzukommen und die Welt nicht immer nur durch ihre Kameralinse wahrzunehmen.

Fazit: Ein wundervolles und ganz besonderes Buch. „Lost & Found“ erzählt eine einfühlsame, spannende und zum Nachdenken anregende Geschichte über das Anderssein, Ausgrenzung, Freundschaft, Verlust und das Zurückgewinnen vom Verlorenengegangenen. Mir hat diese außergewöhnliche Mischung aus Ernst, Humor und Krimigeschichte richtig gut gefallen und auch die Ausarbeitung der Charaktere ist der Autorin erstklassig gelungen. Dank des tollen Schreibstils, der packenden Handlung und der angenehm kurzen Kapitel bin ich hier nur so durch die Seiten geflogen. Die Geschichte mag kurzweilig sein, sie vermittelt aber eine Menge und ist absolut lesenswert. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen und vergebe volle 5 von 5 Sternen! 





 
Vielen lieben Dank an den Knesebeck Verlag, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!
 

Kommentare:

  1. Hey meine Liebe,

    das hört sich nach einem wirklich schönen und vor allem süßem Buch an. Eine kleine Heldin im Rohlstuhl. Ich denke, dass gerade solche Bücher immer vielen Hoffnung geben und das Lesen zu etwas schönem machen können.

    Liebe Grüße, Toni

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    1. Hey liebe Toni,

      das Buch ist wirklich toll, viel besser als ich erwartet habe. Du hast da nur etwas falsch verstanden: Die Heldin im Buch hinkt nur, sie sitzt nicht im Rollstuhl. :D
      Ich kann dir das Buch auf jeden Fall wärmstens empfehlen. :)

      Liebe Grüße
      Corinna

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  2. Hallo,

    das Buch klingt wirklich gut! Ich musste da direkt an eine ehemalige Schülerin von mir denken, die mit Spina Bifida geboren wurde und daher nur mit speziellen Stiefeln hinkend laufen konnte. Sie hatte es in der Schule auch nicht immer leicht, weil Kinder wirklich grausam sein können... Ich denke, das Buch hätte ihr gefallen!

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,

      das ist ja lieb von dir, vielen lieben Dank fürs Verlinken! :D
      Das Buch hätte deiner ehemaligen Schülerin bestimmt sehr gut gefallen. Ich kann es wirklich wärmstens empfehlen, es ist ein ganz besonderes und richtig tolles Buch. :)

      Viele liebe Grüße
      Corinna

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