Sonntag, 26. August 2018

[Rezension] Orcasommer von Sabine Giebken

Hardcover
Ab 14 Jahren
448 Seiten
ISBN: 978-3-7348-5605-1
Erschienen: 17.07.2018

Klappentext:
Svenja hatte schon abgeschlossen mit dem Sommer, dem winzigen Küstenort und ihrem Vater, den sie für drei Monate in seiner Heimat Kanada besucht. Doch dann taucht in der abgelegenen Bucht ein einsamer kleiner Orca auf, der Svenja sofort fasziniert. Auch Alex, ein Meeresbiologiestudent, will herausfinden, woher der Wal kommt und warum er alleine unterwegs ist. Gemeinsam versuchen Svenja und Alex, sich dem Orca anzunähern. Doch schnell wird das öffentliche Interesse an dem Wal immer größer, jeder glaubt zu wissen, was für ihn am besten ist. Nach einem gefährlichen Zwischenfall droht ihm die Gefangenschaft. Svenja beschließt, ihn auf eigene Faust zu retten, auch wenn sie damit ihre Liebe zu Alex aufs Spiel setzt. Wird ihr Plan aufgehen?



Rezension:

Als ich das erste Mal auf Orcasommer gestoßen bin, wusste ich einfach sofort, nur beim Blick aufs Cover, das ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Als ich mir dann den Klappentext durchlas, wurde meine Neugier nur noch größer. Von Sabine Giebken hatte ich bisher leider noch kein Buch gelesen, Orcasommer sollte also mein erstes Werk von ihr sein.

Anstatt den Sommer zu Hause in Berlin zu verbringen, wird Svenja für drei Monate nach Kanada reisen, wo sie zum ersten Mal ihren Vater treffen wird. Von ihm weiß sie so gut wie nichts, daher verläuft der Start zwischen den beiden auch ziemlich holprig. In Kanada angekommen muss Svenja nämlich feststellen, dass ihr Vater Matt alles andere als der Vater ist, den sie sich in ihren Träumen ausgemalt hat. Matt ähnelt äußerlich einem Bären, er ist wortkarg und lebt einsam in einem kleinen Haus fernab einer großen Stadt in einem kleinen Kaff. Kein Handyempfang, schlechtes, kaltes Wetter (und das im Sommer) – na super. Am liebsten würde sich Svenja sofort ihren Koffer schnappen und wieder zurück nach Deutschland fliegen.
Doch dann taucht kurz darauf ein kleiner einsamer Orca in der abgelegenen Bucht auf und um Svenja ist es sofort geschehen. Doch woher kommt der kleine Wal? Wo ist seine Familie? Zusammen mit dem Meeresbiologiestudenten Alex versucht die 17-jährige herauszufinden, warum der Orca alleine auf sich gestellt ist. Doch dessen Auftauchen bleibt nicht lange geheim. Der Wal erregt sehr schnell das öffentliche Interesse und zieht immer mehr Schaulustige an. Svenja und Alex müssen schnell handeln, wenn sie ihren neuen Freund noch rechtzeitig retten wollen.

Was für ein wundervolles Buch! Ich hatte mal wieder genau den richtigen Riecher gehabt, mir hat Orcasommer unglaublich gut gefallen. Mich konnte die Handlung von den ersten Seiten an in ihren Bann ziehen und mir herrliche Lesestunden bescheren.

Der Schreibstil von Sabine Giebken sagte mir auf Anhieb zu. Er ist locker-leicht, flüssig und sehr bildhaft. Durch die vielen anschaulichen Beschreibungen kann man sich von allen Orten ein ganz genaues Bild machen und sich spielend leicht nach Kanada träumen. Kanada ist schon seit ewigen Zeiten mein größtes Reiseziel. Als ich das Buch gelesen habe, ist meine Sehnsucht, endlich auch einmal dieses wunderschöne Land zu bereisen, nur noch größer geworden. Sabine Giebken beschreibt die Natur Kanadas einfach nur toll. Es wird dadurch eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, welche mich sofort verzaubern konnte.

Die Charaktere sind der Autorin ebenfalls wunderbar gelungen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Svenja in der Ich-Perspektive. Svenja war mir vom ersten Moment an sympathisch, ich konnte mich problemlos in sie hineinversetzen und ihre Handlungen und Gedankengänge nachvollziehen. Ab und an lässt sie zwar den Teenager durchblicken, zumindest mir kam ihr Verhalten stellenweise etwas bockig vor - dieser Aspekt hat aber nicht dazu geführt, dass Svenja Sympathiepunkte bei mir eingebüßt hat. Svenja ist ein toller Charakter, sie ist klug, selbstbewusst und mutig.

Die Nebencharaktere wurden ebenfalls klasse ausgearbeitet. So hat sich Svenjas Vater Matt sofort in mein Herz geschlichen. Er wird anfangs zwar recht brummig und wortkarg beschrieben, allerdings konnte ich dieses Verhalten nur zu gut verstehen. Ich stelle es mir nicht leicht vor, das erste Mal auf seine Tochter zu treffen, die eine völlig Fremde für einen ist und für drei Monate bei einem wohnen soll. Hinzu kommt, dass Matt viele Jahre alleine gelebt hat und zu einem richtigen Einsiedler geworden ist. Die plötzliche Gesellschaft bedeutet also eine große Umstellung für ihn.

Svenja hat natürlich auch anfangs große Schwierigkeiten damit, Zugang zu ihrem Vater zu finden. Ich fand es richtig schön und auch irgendwie niedlich zu sehen, wie die beiden langsam Kontakt zueinander aufgebaut haben und allmählich eine richtige Vater-Tochter-Beziehung zustande gekommen ist.

Neben Matt fand ich auch den Jungen Alex richtig sympathisch. Er ist ein prima Kerl, nett, hilfsbereit und einfach so ein Typ, den man sofort gernhaben muss. Man merkt auch sofort, dass Alex und Svenja etwas verbindet und sie perfekt zusammen passen. Die beiden kommen sich im Verlaufe des Sommers auch immer näher, das Buch beinhaltet also eine kleine Liebesgeschichte, welche mir richtig gut gefallen hat. Sie ist authentisch und überhaupt nicht kitschig oder klischeehaft.

Das Augenmerk der Handlung liegt aber auf dem kleinen Orca, der eines Tages plötzlich in der Bucht auftaucht. Svenja sucht immer wieder seine Gesellschaft, gibt ihm den Namen Solo und schließt den kleinen Wal immer mehr in ihr Herz.
Mir haben die Beschreibungen, wie Svenjas Bindung zu Solo immer inniger wird, richtig das Herz erwärmt. Die vielen Szenen mit Solo und all den anderen Walen sind magisch und traumhaft schön.
Meine Faszination für Wale hat sich mit diesem Buch nur noch gesteigert. Gerade Orcas sind wundervolle Tiere. Man lernt hier beim Lesen eine Menge über diese einzigartigen Geschöpfe und merkt beim Lesen sehr, dass Sabine Giebken hier sehr ausführlich recherchiert hat.
Alles wirkt realistisch und authentisch, auch der Teil, als Solo ins Interesse der Bevölkerung und der Presse gerät. Leider. Ich fand es richtig schade zu sehen wie rücksichtslos die Menschen die Wale behandeln. Für die meisten sind sie einfach nette Touristenakttaktionen. Wie sich die Wale dabei fühlen, ist vielen völlig egal. Mich haben diese Beschreibungen richtig wütend gemacht, vor allem auch deswegen, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass diese der Realität entsprechen.

Ich konnte die Wut von Svenja daher auch nur zu gut verstehen und habe so gehofft, dass sie und Alex zumindest die Situation von Solo zum Guten wenden können. Ich bin beim Lesen richtig ins Mitfiebern geraten, besonders zum Ende hin, als sich immer mehr Menschen Svenja und Alex in den Weg gestellt haben. Das Buch hat mit einer Menge spannender Szenen aufzuwarten, sodass an keiner Stelle Langeweile aufkommt.

Orcasommer hat mich sehr beeindruckt. Ich hoffe ja sehr, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, befürchte aber, dass es sich hier um einen Einzelband handelt. Schade eigentlich, ich hätte Svenja und Alex und auch die anderen liebenswerten Charaktere liebend gerne noch ein Stückchen länger begleitet. Das Buch ist zwar mit über 400 Seiten nicht gerade dünn, war für meinen Geschmack aber dennoch viel zu schnell wieder vorbei.

Fazit: Ich bin ganz verliebt in dieses zauberhaft schöne Buch. Mit Orcasommer ist Sabine Giebken ein großartiger Jugendroman gelungen, der eine wundervolle Geschichte über Freundschaft, Familie, Liebe, Umweltschutz und Wale erzählt. Das Buch lädt zum Mitfiebern und Träumen ein und entführt einen in die atemberaubende Natur Kanadas. Ich kann Orcasommer absolut empfehlen, vor allen denjenigen, die sich für Wale, insbesondere für Orcas, interessieren und ein Faible für das Setting Kanada haben. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung sowie volle 5 von 5 Sternen!





Vielen lieben Dank an den Magellan Verlag, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!
 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Corinna,
    das Buch hört sich ja allerliebst an. Momentan habe ich auch so eine Kinderbücher-Phase, dann muss ich immer an Dich denken, da du ja diesbezüglich die Nummer 1 bist :-)
    Danke für diese wundervolle Vorstellung!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hallo liebe Andrea,

      gern geschehen. :)
      Allerdings ist "Orcasommer" ein Jugendbuch. Jeder tickt natürlich anders, ich kann mir schon vorstellen, dass auch jüngere Leser das Buch sehr gut lesen können. Ich hätte es bestimmt als 11-jährige geschafft. ;)
      Ich kann dir "Orcasommer" jedenfalls sehr ans Herz legen. Es ist wirklich toll! :D

      Und danke für das Kompliment! Die Nummer 1 in Sachen Kinderbücher, das ist ja lieb von dir! :)

      Viele liebe Grüße
      Corinna

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  2. Huhu Corinna,
    als ich das Cover von Orcasommer erblickt habe, war ich auch sofort hin und weg. Ich finde es ist richtig schön geworden. Ich habe auch schon überlegt, ob ich das Buch lesen soll. Da ich momentan aber einige Bücher auf dem Plan habe, musste ich ein wenig aussourcen. Wenn ich deine Rezension so lese, überlege ich, ob ich Orcasommer nicht doch wieder auf die Wunschliste setzen sollte. Ich bin ja auch ein großer Fan der Bücher aus dem Magellanverlag. Ich mag den Schreibstil und die Art, wie die Geschichten aufgebaut sind einfach sehr.
    Deine Begeisterung wirkt total ansteckend. Vielen Dank für diese wundervolle Rezension <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hey Tanja,

      ich habe auch gerade eine Menge Bücher auf dem Plan. Zu viele vielleicht, im Moment komme ich mit dem Lesen kaum hinterher. ;)
      Orcasommer solltest du auf jeden Fall irgendwie noch in deinem Lesevorhaben dazwischenquetschen sollen. Das Buch ist echt toll. Ich bin ja auch ein riesengroßer Fan der Magellan Bücher, diese sind wirklich immer ganz besonders schön aufgebaut und auch von den Covern her wundervoll gestaltet. :D
      Orcasommer kann ich dir wirklich sehr ans Herz legen! <3

      Viele liebe Grüße
      Corinna

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