Sonntag, 30. Mai 2021

[Rezension] Die Nacht der Acht von Philip Le Roy

Softcover
 
Übersetzt von Maja von Vogel
Ab 14 Jahren
288 Seiten
ISBN: 978-3-551-58433-5
Erschienen: 29.04.2021

Klappentext:

Es ist Samstagabend und Quentin lädt zum Trinken und Feiern in die schicke Villa seiner Eltern ein. Abgeschieden in den Bergen gelegen, ist sie der perfekte Ort des heutigen Mottos: Wer sich erschreckt, muss trinken!
Doch aus Spaß wird schnell bitterer Ernst. Die ersten blutigen Finger bringen die Gruppe noch zum Lachen, es wird ordentlich getrickst. Als der Geist einer tot geglaubten Mitschülerin auftaucht und die Telefonleitung plötzlich gekappt ist, läuft der Abend aus dem Ruder. Die Acht sind auf sich allein gestellt. Und alle stellen sich dieselbe Frage: Wer steckt hinter den mysteriösen Vorfällen? Die Nacht will kein Ende nehmen ...
Als dann auch noch einer nach dem anderen verschwindet, scheint keiner mehr dem Horror zu entkommen.

Quelle: Carlsen Verlag

Rezension: 

Als ich das erste Mal von „Die Nacht der Acht“ hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Das düster gestaltete Cover gefiel mir auf den ersten Blick richtig gut und auch der Klappentext konnte mich umgehend überzeugen. Horror- und Psychothriller für Jugendliche fallen schon seit längerem absolut in mein Beuteschema. „Die Nacht der Acht“ musste ich daher einfach unbedingt bei mir einziehen lassen lassen.

Quentin lädt seine sieben Freunde in die neue schicke Villa seiner Eltern ein, die weit abgelegen in den Bergen liegt. Da die Eltern verreist sind, haben die acht Jugendlichen das Haus ganz für sich allein und können den Abend ausgelassen mit Trinken und Feiern verbringen. Es soll eine richtige Horrornacht werden und um der Party das gewisse Etwas zu geben, starten die Freunde mit einem Trinkspiel. Die Spielregel dabei lautet: Wer Angst hat, trinkt! Die Acht beginnen damit, sich gegenseitig zu erschrecken und mit ihren Streichen zu übertrumpfen. Was eigentlich nur ein harmloser Spaß sein sollte, wird nur schnell zu bitterem Ernst. Es kommt zu mysteriösen Vorkommnissen und als dann auch noch einer nach dem anderen spurlos verschwindet, beginnt die Situation komplett zu eskalieren.

In meiner Jugendzeit habe ich die Fear Street-Bücher von R. L. Stine regelrecht verschlungen und abgöttisch geliebt. Bei „Der Nacht der Acht“ musste ich irgendwie sofort an diese Jugendthriller-Reihe denken. Ich habe mir daher eine Story mit ein wenig Fear Street-Flair erhofft. Ob ich sie bekommen habe?

Ja, ein kleines bisschen schon. Also für mich kam beim Lesen durchaus etwas Fear Street-Feeling auf. Insgesamt ist „Die Nacht der Acht“ natürlich schon anders – also keine Sorge, das Buch ist kein müder Abklatsch oder so – aber was diesen Teil meiner Erwartungshaltung angeht, wurde ich auf jeden Fall nicht enttäuscht.
Und sonst? Hat mich der französische Autor Philip Le Roy mit seinem ersten Jugendroman überzeugen können?
Jein. Ich habe tolle Lesestunden mit dem Buch verbracht und finde es richtig gut, aber für die volle Sternenzahl hat es mir letztendlich nicht gereicht. Es gab ein paar Dinge, dir mir persönlich nicht ganz so zugesagt haben – zu denen komme ich noch – aber abgesehen davon finde ich das Buch echt klasse.

Womit Philip Le Roy definitiv auf ganzer Linie bei mir punkten konnte, ist das Setting. Mit der weit abgelegenen französischen Villa, in die er uns mitnimmt, hat der Autor einfach die perfekte Kulisse für einen gruseligen Thriller erschaffen. Dank vieler atmosphärischer Beschreibungen strahlt der Schauplatz eine richtig schön schaurige und stellenweise fast schon beklemmende Horrorfilmstimmung aus, sodass man beim Lesen des öfteren mit einer Gänsehaut dasitzt.

Auch die Handlung kann man in meinen Augen als horrorfilmwürdig bezeichnen. Wer viel in diesem Genre liest, wird vielleicht nicht ganz so auf seine Kosten kommen und auch ich muss sagen, dass ich mir insgesamt ein kleines bisschen mehr Grusel erhofft habe, aber als unheimlich und superspannend habe ich die Story dennoch empfunden. Ich war beim Lesen durchweg am Mitfiebern, öfters auch mal am Erschaudern und da ich mich dem Lesesog der Erzählung kaum mehr entziehen konnte, habe ich das Buch quasi in einem Rutsch durchgesuchtet.

Für mich kam beim Lesen an keiner Stelle Langeweile auf. Ich habe die Streiche der Jugendlichen ganz gebannt verfolgt und als die Party beginnt immer mehr aus dem Ruder zu laufen, habe ich zunehmend nicht mehr unterscheiden können, was nun eigentlich Wirklichkeit und was Illusion ist. Gerade letzteres fand ich genial: Diese Verwirrspiel aus Realität und Wahnvorstellung. So etwas liebe ich einfach.

Auch der Schreibstil und die Erzählform haben mir sehr gut gefallen. Der Text ist recht dialoglastig und die Sätze meist ziemlich kurzgehalten. Jedermanns Sache wird so ein Sprachstil wohl nicht sein, ich aber mag so etwas richtig gerne.

Geschildert werden die Geschehnisse aus der Sicht eines auktorialen Erzählers, was ich als sehr passend empfunden. Also für mich hat sich das Buch von Beginn an angenehm flüssig lesen lassen. Ich bin wirklich nur so durch die Seiten geflogen.

Was mich leider etwas enttäuscht hat, ist das Ende. Es kam zwar überraschend für mich, aber irgendwie hatte ich aufgrund des spannungsgeladenen Hauptteils mit einem spektakulärern Showdown gerechnet. So richtig vom Hocker reißen konnte mich der Schluss leider nicht.

Bezüglich der Charaktere hatte ich ebenfalls ein bisschen mehr erwartet. Mir persönlich waren sie etwas zu blass und stereotyp gezeichnet. Philip Le Roy hat sich an den gängigen Teenager-Klischees bedient wie den Aufreißer, den Dicken und der Schönen. Als wirklich helle habe ich ehrlich gesagt keinen von ihnen empfunden, trotz ihrer teils äußerst kreativen Streiche, aber da ich trotz allem gut mit allen Jugendlichen zurechtkam und mir keiner von ihnen unsympathisch war, hat mich die recht oberflächliche Skizzierung der Figuren nicht allzu sehr gestört. Ich hatte echt viel Spaß dabei zusammen mit der Clique eine albtraumhafte Nacht in der Villa zu verbringen und mich gemeinsam mit ihnen zu gruseln.

Fazit: Ein spannender Horrorthriller mit Gänsehaut-Garantie!

Philip Le Roy hat mit „Die Nacht der Nacht“ einen überaus packenden und atmosphärischen Jugendthriller aufs Papier gebracht, der einen durchweg in Atem hält und von Anfang bis Ende an die Seiten fesselt. Mir hat der französische Autor mit seinem Jugendbuchdebüt ein tolles Leseerlebnis bescheren können. Es gab zwar ein paar Dinge, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, aber insgesamt bin ich echt begeistert von dem Buch. Ich kann „Die Nacht der Acht“ sehr empfehlen und vergebe 4 von 5 Sternen! 
 
 
 




 
 
Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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