Dienstag, 30. Juli 2019

[Rezension] Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter von Hansjörg Nessensohn

Hardcover
Ab 14 Jahren
288 Seiten
ISBN: 978-3-7641-7092-9
Erschienen: 12.07.2019

Klappentext:
Seit Monaten freuen sich Timon und Sunny darauf, auf Mallorca das bestandene Abitur zu feiern. Zwei beste Freunde und drei Wochen Sonne, Spaß und Freiheit – was kann es Schöneres geben? Doch viel Unausgesprochenes steht zwischen ihnen und sorgt dafür, dass nicht die rechte Stimmung aufkommt. Sunny lässt der Gedanke an ihren Exfreund nicht los und dann nimmt Timon in einem Anfall von Helfersyndrom auch noch den trampenden Jonas mit. Richtig fertig sieht Jonas aus. Als Sunny und Timon ahnen, was Jonas auf Mallorca wirklich vorhat und welche Bürde er mit sich herumträgt, ist es schon fast zu spät …


Rezension:

Als ich das erste Mal von „Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter“ hörte, wusste ich sofort, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Der Klappentext klang einfach so schön! Das Cover finde ich auch nicht schlecht, es ist zwar sehr schlicht, aber irgendwie hat es was. Ich mag diesen Blauton total gerne. Ich zögerte daher auch gar nicht erst, sondern packte das Buch ganz schnell auf meine Wunschliste.

Um das bestandene Abitur zu feiern, haben Sunny und Timon schon seit Monaten einen Urlaubstrip nach Mallorca geplant. Drei Wochen lang wollen sie in der Finca von Sunnys Eltern abhängen, auf lauter Partys gehen und einfach nur dieses wunderbare Gefühl von Freiheit genießen. Es soll dann aber alles ganz anders kommen. Auf der Fahrt stoßen sie auf den 17-jährigen Jonas, der total fertig aussieht und den Eindruck macht, als würde er dringend Hilfe benötigen. Timon, der irgendwie gar nicht anders kann, als anderen Menschen immerzu helfen zu wollen, beschließt kurzerhand, Jonas mit ihrem Autor mitzunehmen – sehr zum Unmut von Sunny. Die Stimmung unter den drei Jugendlichen ist dann auch zunächst nicht die allerbeste. Zu dem Zeitpunkt ahnen Sunny und Timon ja noch nicht, wie kaputt es in Jonas wirklich aussieht und was genau er auf Mallorca vorhat. Als sie es schließlich herausfinden, ist es fast schon zu spät.

Kennt ihr solche Bücher, bei denen ihr einfach schon nach den ersten Seiten wisst, dass sie euch hellauf begeistern werden? „Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter“ war genau so ein Buch für mich. Ich wusste irgendwie sogar schon nach den ersten Sätzen, dass ich hier ein Highlight in Händen halte. Mit dieser Vorahnung lag ich dann auch absolut richtig. Mich konnte die Handlung vom ersten Moment an in ihren Bann ziehen und bis zum Schluss fesseln. Ich habe das Buch quasi inhaliert und hatte beim Lesen immerzu Gänsehaut. Hansjörg Nessensohn ist in meinen Augen mit „Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter“ ein ganz besonderes Buch gelungen. Es ist sehr bewegend und tiefgründig, es ist schockierend, traurig und wunderschön.

Erzählt wird hier die Geschichte von drei Jugendlichen: Jonas, Timon und Sunny. Alle drei kommen sie hier zu Wort (stets in der dritten Perspektive), wobei ich Jonas schon als den eigentlichen Protagonisten bezeichnen würde, da wir von seiner schweren Vergangenheit, seinen Gefühlen und Gedanken am meisten erfahren. Dank Jonas Tagebucheinträge, die wir immer wieder zu lesen bekommen, erhalten wir bei ihm einen besonders tiefen Einblick in sein Seelenleben und spüren nur zu deutlich, wie kaputt es in diesem aussieht.
Jonas Geschichte habe ich eindeutig als die schlimmste empfunden. Seine vierjährige Schwester Lina ist vor zwei Jahren während des Urlaubs spurlos verschwunden und niemand weiß, was mit ihr geschehen ist. Immer ist sie da, diese große Ungewissheit, ob Lina noch am Leben ist oder nicht. Dann sind da noch Jonas Schuldgefühle, schließlich sollte er auf seine geliebte kleine Schwester aufpassen und hat es nicht getan – all das plus das verletzende Verhalten seiner Eltern erdrückt den 17-jährigen richtig und hat ihn zu einem psychischen Frack werden lassen. Ich habe so sehr mit Jonas mitgelitten und musste immer wieder schwer zu schlucken.

Die Päckchen, die Sunny und Timon mit sich herumtragen, wiegen aber auch sehr schwer. Bei den beiden werde ich aber nicht näher ins Detail gehen, zu viel möchte ich schließlich nicht von der Handlung verraten.

Wie Jonas so habe ich auch Sunny und Timon sofort in mein Herz geschlossen. Sunny habe ich für ihre toughe Art richtig geliebt und den herzensguten und immerzu hilfsbereiten Timon muss man einfach gernhaben. Wie die langsame Annäherung der drei Jugendlichen und deren immer inniger werdende Freundschaft beschrieben wird, ist einfach nur wundervoll und zutiefst berührend.

Der einfühlsame, mitreißende Schreibstil, die wechselnden Erzählperspektiven und die packende Handlung lassen von Beginn an eine richtige Sogwirkung entstehen, welcher man sich als Leser einfach nicht mehr entziehen kann. Was genau ist damals vor zwei Jahren während des Urlaubs geschehen? Was ist nur mit Lina passiert? Wo ist sie? Wie erging es Jonas und seinen Eltern seit Linas Verschwinden? Warum ist Jonas nun plötzlich nach Mallorca zurückkehrt? Wie sind die Geschichten von Sunny und Timon? Was belastet sie? So viele Fragen, auf die man unbedingt die Antworten haben möchte. Es fällt einem wirklich verdammt schwer, das Buch wieder aus der Hand legen.

Ich habe keinen einzigen negativen Kritikpunkt an „Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter“. Die Charaktere wurden hervorragend ausgearbeitet, sie sind super sympathisch und wirken allesamt vollkommen glaubhaft. Die Story ist absolut authentisch und konfrontiert einen mit lauter überraschenden Wendungen. Das Setting (Mallorca) wird sehr bildhaft und anschaulich beschrieben und lässt ein richtiges Sommerfeeling aufkommen. Fand ich klasse, ich habe diese sommerliche Stimmung als sehr auflockernd empfunden. Das Buch nimmt einen schon sehr mit, da es sich mit vielen ernsten Themen befasst wie Schuldgefühle, Schicksalsschläge, Verlust, Trauer, Angst und Wut. Aber keine Sorge, zu bedrückend ist die Geschichte nicht. Sie handelt auch von Liebe und Freundschaft und schenkt einem Mut und Hoffnung.

Was mich ganz besonders getroffen hat, ist das Ende. Es ist furchtbar und schön zugleich. Ich persönlich habe den Schluss als etwas offen empfunden, was mich aber nicht gestört hat. In meinen Augen passt das Ende wunderbar zum Buch.

Fazit: Emotional, tiefgründig, absolut fesselnd und zutiefst berührend! Ein großartiger Debütroman, der einen von den ersten Seiten an mitreißt und nicht mehr loslässt. Mir hat „Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter“ wundervolle Lesestunden beschert. Ich bin hellauf begeistert von dem Buch und kann es jedem sehr ans Herz legen. Von mir gibt es nur zu gerne volle 5 von 5 Sternen!







Vielen lieben Dank an den Ueberreuter Verlag, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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