Freitag, 14. August 2026

[Rezension] Zähl leise bis zehn! von Laura Lähteenmäki

Hardcover
Übersetzt von Elina Kritzokat
Ab 10 Jahren
224 Seiten
ISBN: 978-3-551-55969-2
Erschienen: 29.06.2026

Klappentext:

Eigentlich sind Mia und ihre vier Freundinnen unzertrennlich. Bis zu dem Tag, als sie erfährt, dass die anderen in ein Sommer-Camp fahren – ohne sie. Mia fühlt sich richtig mies. Aber dann taucht Lasse auf: Am ersten Ferienmorgen steht er plötzlich da, am Waldrand hinter Mias Haus, den Kopf voll wilder Locken und verrückter Ideen. Mit ihm kann Mia in andere Welten abtauchen und alle Sorgen vergessen. Doch als sich der Sommer dem Ende neigt, ist Lasse plötzlich verschwunden. Mia weiß nur eins: Sie muss ihn wiederfinden!

Quelle: Carlsen Verlag

Rezension:

Mia ist zehn Jahre alt und geht in die vierte Klasse. Sie hat vier Freundinnen, die „KitKats“, allerdings fühlt sie sich in der letzten Zeit immer mehr wie das fünfte Rad am Wagen. Sie ist nie Teil der Gruppenumarmung, wird zu vielen Treffen wird nicht eingeladen und wenn sie sich den Vieren nähert, verstummen deren Gespräche. Und dann erfährt sie auch noch, dass ihre Freundinnen in den Ferien in ein Sommercamp fahren – ohne sie. Mia ist todunglücklich. Gerade verändert sich einfach alles. Anstatt zu spielen wie früher, hängen die KitKats nur noch am Handy rum oder reden über langweilige Dinge wie Make-Up. Ihre Mama geht auf Dates und ihrem Opa geht es gesundheitlich immer schlechter. Aber dann lernt Mia Lasse kennen. Am ersten Ferientag taucht er plötzlich auf und mit ihm ist alles anders. Mit Lasse kann Mia endlich wieder Spaß haben, in andere Welten abtauchen und alle Sorgen für eine Weile vergessen. Gemeinsam verbringen die beiden Kinder stundenlang im Wald und denken sie tollsten fantasievollen Spiele aus. Doch dann ist Lasse eines Tages so plötzlich verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Für Mia steht sofort fest: Sie muss ihren neuen Freund unbedingt wiederfinden.

Bei diesem Buch war sehr schnell klar, dass es bei mir einziehen muss. Es war Coverliebe auf den ersten Blick und die Geschichte dahinter klang genau nach meinem Geschmack. Ich liebe Kinderbücher, die sommerlich leicht und tiefgründig zugleich daherkommen. Ihr auch? Dann solltet ihr euch „Zähl leise bis zehn!“ vielleicht mal genauer anschauen.

Laura Lähteenmäki präsentiert hier einen zauberhaften Kinderroman über einen unvergesslichen Sommer voller Veränderungen. Ehrlich und behutsam erzählt die finnische Autorin von der Zeit zwischen unbeschwerter Kindheit und den ersten Schritten ins Erwachsenwerden. Mia ist eine Protagonistin, mit der man sich sofort verbunden fühlt. Ihre zwiespältigen Gefühle sind wunderbar getroffen. Auf der einen Seite stört es sie, wenn ihre Mutter mit ihr redet als wäre sie noch drei, auf der anderen Seite möchte sie aber auch noch nicht groß sein. Denn dann verändert sich so vieles, man muss Dinge tun, für die man sich eigentlich noch zu klein fühlt und darf nicht mehr spielen, weil das plötzlich kindisch ist. Einerseits möchte Mia zu den anderen Mädchen, den KitKats, richtig dazugehören. Anderseits nervt sie deren erwachsentuerisches Verhalten und vermisst diese Leichtigkeit der Kindheit. Eine Situation, in der sich sicherlich viele wiederfinden können, sowohl junge als auch ältere Leser*innen. In gewisser Hinsicht ist dieses Buch eine Hommage an die Kindheit. Daran, im eigenen Tempo groß zu werden und das zu tun, was das Kindsein so besonders macht: Draußen Spielen, in seiner Fantasiewelt versinken und alles um sich herum vergessen. Gleichzeitig greift die Geschichte noch weitere wichtige Themen auf wie Ausgrenzung, verändernde Freundschaften und Verlust. Trotz allem ist „Zähl leise bis zehn!“ keine schwere Lektüre, sondern eine Geschichte, die Mut macht und Lust auf endlos scheinende Sommertage. Laura Lähteenmäki beschreibt alles so bildlich und atmosphärisch, dass man den Zauber des Waldes und die Wärme der Sonne regelrecht spüren kann. Bisweilen verströmt die Geschichte auch etwas leicht Geheimnisvolles. Denn eine Zeit lang ist nicht recht eindeutig, ob Lasse wirklich existiert oder vielleicht doch nur ein imaginärer Freund von Mia ist.

Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas runder ausfallen können, mir persönlich sind ein paar zu viele Fragen offengeblieben. Dennoch habe ich das Buch mit einem glücklichen und zufriedenen Gefühl zuklappen können.

Fazit: „Zähl leise bis zehn!“ ist ein einfühlsamer Roman über die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Freundschaft, Kindsein und das Erwachsenwerden. Ein wundervolles Sommerbuch ab 10 Jahren. Eindringlich, hoffnungsvoll und berührend. Ich hatte sehr viel Freude beim Lesen, ich kann mein erstes Werk von Laura Lähteenmäki nur empfehlen. Von mir gibt es sehr, sehr gute 4 von 5 Sternen.





Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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