Mittwoch, 12. August 2026

[Rezension] Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger

Hardcover
Illustriert von Simon Röthlisberger
Ab 4 Jahren
48 Seiten
ISBN: 978-3-314-10778-8
Erschienen: 12.08.2026

Klappentext:

Herr Leopold konnte schweben – und das schon seit seiner Geburt. Niemand hatte dafür eine Erklärung, nicht einmal die Schwebe-Forscher und -Forscherinnen. Leopold störte das nicht, doch die anderen fanden: Schweben ist nichts für Menschen! Da bemühte er sich, am Boden zu bleiben. Um auf Nummer sicher zu gehen, hängte man ihm auch allerlei Gepäck um. So kam Leopold eines Tages wirklich die Leichtigkeit abhanden. Bis, ja bis er die kleine Mathilda traf und sich wieder an die Unbeschwertheit und seine besondere Fähigkeit erinnerte.

Quelle: NordSüd Verlag

Rezension:

Herr Leopold war schon immer etwas anders. Schon als Baby konnte er schweben. Dies blieb natürlich nicht unbemerkt. Zahlreiche Forscherinnen und Forscher untersuchten den kleinen Leopold, fanden den Grund seines Schwebens aber nicht heraus. So wuchs Leopold auf, schwebte glücklich und unbeschwert durch seine Kindheit und störte sich nicht an seiner Andersartigkeit. Doch für die anderen war seine wundersame Eigenschaft ein Problem, sie fanden, dass Schweben für Menschen unpassend sei. Sie fingen damit an, Leopold zu beschweren, banden in allerlei Dinge um. Sein Gepäck wurde immer größer und schwerer und Leopold blieb tatsächlich am Boden. Die Jahre vergingen und Leopolds Gabe geriet in Vergessenheit. Bis zu dem Tag, als ein kleines Mädchen namens Mathilda in sein Leben geschwebt kommt. Als er sieht, beginnt er sich zu erinnern – an dieses unbeschreibliche Gefühl der Freiheit und Schwerelosigkeit.

Wir alle werden mit besonderen Talenten geboren, die uns einzigartig machen. Doch wenn es Fähigkeiten sind, die anders sind und nicht dem Gesellschaftsbild entsprechen, beginnen wir uns den Erwartungen anderer anzupassen und die Eigenschaften, die uns eigentlich ausmachen, zu verstecken. Dies kann schon von klein auf passieren. Kinder, die eigentlich nicht in Schubladen denken und noch diese wunderbare kindliche Unbeschwert besitzen, bekommen oft täglich von uns Großen vorgelebt, dass Anderssein etwas Schlechtes ist und man sich ändern muss, um anderen zu gefallen. Anstatt die Talente unserer Kinder zu fördern und zu akzeptieren, laden wir ihnen immer mehr Gepäck auf, das irgendwann so schwer wiegt, dass die innere Leichtigkeit verloren geht. Genau davon erzählen Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger in ihrem neuen gemeinsamen Werk.

Mit „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“ hat das Erfolgsduo ein weiteres großartiges Bilderbuch geschaffen, in dem einfach so viel drin steckt, ohne belehrend zu wirken. Auf eine einfühlsame und humorvolle Weise zeigt uns die Geschichte, wie wichtig es ist, sich nicht von anderen verbiegen zu lassen. Sie ist eine liebevolle Erinnerung daran, was es bedeutet, unbeschwert zu sein und ermutigt dazu, den ganzen Ballast-Anpassungsdruck von uns zu werfen und wieder leichtfüßig durchs Leben zu gehen. In Herrn Leopold wird sich vermutlich so gut wie jeder von uns wiederfinden, und wenn auch nur ein bisschen. Denn so viele von uns haben mit den Jahren verlernt das zu sehen, was unsere Welt so besonders macht. Dieses Buch richtet sich definitiv nicht nur ein Kinder – es ist ein echter Schatz für alle Altersklassen, lädt zum Reden, Nachdenken und Erinnern ein und sollte in keinem Bücherregal fehlen.

Simon Röthlisberger hat das Ganze kongenial in Szene gesetzt. Mit sanften Farben und vielen kleinen, witzigen Details fangen seine Bilder die Poesie des Textes perfekt ein und laden zum stundenlangen Verweilen und Entdecken ein. Besonders gelungen ist die Darstellung von Leopolds Gepäck, das in Form von kleinen Säckchen an seinen Windeln im Kleinkindalter beginnt und mit den Jahren immer größer und erdrückender wird. So groß und erdrückend, dass man die Schwere selbst regelrecht fühlen kann.

Fazit: „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“ ist ein wunderschönes Bilderbuch ab 4 Jahren, das feinfühlig, augenzwinkernd und voller Leichtigkeit daran erinnert, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu bleiben und die kindliche Unbeschwertheit zu bewahren. Ein kluges Plädoyer für mehr Mut zum Anderssein. Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger haben sich mal wieder selbst übertroffen. Ich bin total verliebt in ihr neues Buch und kann es jedem nur ans Herz legen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

 

 





Vielen lieben Dank an den NordSüd Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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