Mittwoch, 19. August 2026

[Rezension] All unsere schönen Lügen von Feline Lieven

Klappenbroschur
Ab 14 Jahren
400 Seiten
ISBN: 9783734851117
Erschienen: 16.07.2026

Klappentext:
Reese Whitmore ist inmitten einer Welt voller Geld, Luxus und Machtspielen aufgewachsen. Als sie plötzlich spurlos verschwindet und kurz darauf tot aufgefunden wird, muss ihre Zwillingsschwester Addie allein in dieser scheinheiligen Welt bestehen. Schnell verdächtigt die Polizei Reese‘ Freund Troy, doch auch ihre beste Freundin Cass scheint mehr zu wissen, als sie zugibt. Beide haben Reese in der Nacht ihres Todes gesehen und beide haben etwas zu verbergen. Ist es ausgerechnet einer der Menschen, die Reese am nächsten standen, der sie ermordet hat?

Quelle: Magellan Verlag

Rezension:

Reese Whitmore ist in der britischen Kleinstadt Dawnhill aufgewachsen und hat alles, was man sich wünschen kann. Sie ist reich, schön und beliebt und die unangefochtene Herrscherin der Schule. Ihre Zwillingsschwester Addie ist das genaue Gegenteil. Schüchtern und zurückhaltend stand sie schon immer im Schatten ihrer Schwester. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als Reese spurlos verschwindet und kurz darauf tot aufgefunden wird. Plötzlich muss sie sich allein in einer Welt behaupten, die von Lügen, Schein und Erwartungen geprägt ist. Die Polizei verdächtigt schnell Reese’ Freund Troy, aber auch ihre beste Freundin Cass, die für ihre Ziele alles tun würde, scheint mehr über Reese’ Verschwinden zu wissen, als sie zugibt. Die beiden verheimlichen eindeutig etwas, aber wären sie wirklich zu einem Mord fähig?

Auch wenn es mich zurzeit überwiegend in den Kinderbuchbereich zieht, lese ich Jugendthriller nach wie vor sehr gerne. Vor allem in der letzten Zeit habe ich wieder total Lust auf dieses Genre. Das Debüt von Feline Lieven kam daher wie gerufen. Schon rein optisch macht das Buch ordentlich was her, angefangen beim Cover bis hin zum coolen Farbschnitt in der Erstauflage. Der Klappentext klang nicht minder vielversprechend, sodass ich das Lesen kaum erwarten konnte.

Der Einstieg gelingt mühelos. Feline Lieven hat einen sehr angenehmen und flüssigen Schreibstil, dem man überhaupt nicht anmerkt, dass es sich hierbei um das erste Buch der jungen Autorin handelt. Mich hat der Erzählstil richtig beeindruckt. Die Seiten lesen sich weg wie nichts, was durch die ständigen Sichtwechsel noch verstärkt wird. Das erste Kapitel beginnt mit einer mysteriösen Ich-Person, anschließend wird die Handlung aus den Ich-Perspektiven von Addie, Cass und Troy geschildert. Drei grundverschiedene Charaktere, bei denen schnell klar wird, dass jeder etwas zu verbergen hat: Addie, die seit eher im Schatten ihrer beliebten Schwester steht. Troy, der mit den Folgen eines schweren Schicksalsschlags zu kämpfen hat. Und Cass, die voller Gehässigkeit und Wut ist. Als durchweg sympathisch kann man sie nicht unbedingt bezeichnen (vor allem Cass ist ziemlich krass drauf) und ja, die Autorin hat auch etwas in die Klischeeschublade gegriffen. Im Verlauf zeigt sich aber noch, dass in jedem eine tiefere Geschichte steckt und die Figuren viel vielschichtiger gezeichnet sind als es auf den ersten Blick vielleicht scheint.

Diesbezüglich hat die Autorin einen sehr guten Job gemacht. Was die Spannung angeht, muss ich sagen, dass ich mir ein wenig mehr erhofft habe. Nach dem fesselnden Start entwickelt sich die Handlung recht gemächlich. Feline Lieven nimmt sich Zeit, um die Figuren einzuführen und ehe das Verbrechen stärker in den Fokus rückt, ist die Story mehr ein Mix aus High-Society- und Highschool-Drama. Wer jede Menge Nervenkitzel sucht, wird hier eher nicht fündig werden. Langweilig wird es zwar zu keiner Zeit, aber eingefleischte Krimileser*innen werden die Auflösung vermutlich sehr früh absehen können. Für Thriller-Neueinsteiger ist „All unsere schönen Lügen“ aber sehr zu empfehlen. Besonders die Zeugenaussagen sind richtig gut gemacht, sähen gekonnt Zweifel, sodass man am herumrätseln ist, wer wohl das größte Motiv haben könnte, Rees zu töten. Ich persönlich habe mir vieles schnell zusammenreimen können, was meinem Lesevergnügen aber keinen großen Abbruch getan hat. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, besonders das Ende und die Auflösung konnte mich begeistern.

Fazit: „All unsere schönen Lügen“ ist ein spannender und eindrucksvoll geschriebener Young-Adult-Thriller ab 14 Jahren voller Lügen, Intrigen und dunkler Geheimnisse. Ein gelungenes Debüt, das auf mehr hoffen lässt. Auch wenn es mir für die volle Sternenzahl letztendlich leider nicht gereicht hat, habe ich das Buch sehr gerne gelesen und kann es wärmstens empfehlen. Wer Murder-Mystery-Geschichten mit „Pretty Little Liars“ und „Gossip Girl“ - Vibes mag, sollte sich „All unsere schönen Lügen“ unbedingt mal genauer anschauen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. 

 




 

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