Montag, 23. März 2026

[Rezension] Papa ist ein Eisbär von Edward van de Vendel und Saskia Halfmouw

Hardcover
Übersetzt von Rolf Erdorf
Illustriert von Saskia Halfmouw
Ab 6 Jahren
64 Seiten
ISBN: 978-3-551-55973-9
Erschienen: 27.02.2026

Klappentext:

Mare liebt ihren vierjährigen Bruder Danko sehr, aber ein bisschen seltsam ist er schon, findet sie. Er trägt immer nur grüne Sachen und weiß so ziemlich alles über wilde Tiere. Und das erzählt er auch ungefragt allen, die er trifft. Zuletzt als die beiden in der Straßenbahn auf dem Weg zu Papa waren, der jetzt woanders wohnt. Aber als Danko sagt: „Papa ist ein Eisbär“ versteht ihn Mare überhaupt nicht mehr. Papa hat doch kein Fell und mag noch nicht mal Schnee. Doch dann sehen sie zusammen einen Film über Eisbären …

Quelle: Carlsen Verlag

Rezension:

Mare findet ihren kleinen vierjährigen Bruder Danko echt komisch. Er trägt immer nur grüne Sachen (sogar seine Brille ist grün) und weiß wahnsinnig viel über wilde Tiere. Sein Wissen teilt er gerne begeistert mit anderen – auch mit völlig Fremden. In der Straßenbahn zum Beispiel, die sie immer benutzen, wenn sie ihren Vater besuchen. Seit sich ihre Eltern getrennt haben, sehen sie ihren Papa nur noch alle zwei Wochen. Mare findet das Verhalten ihres kleines Bruder voll peinlich. Aber sie hat ihn dennoch richtig gerne. Als Danko aber eines Tages sagt, dass ihr Papa ein Eisbär ist, ist sie verwirrt. Was meint ihr Bruder damit? Tage- und wochenlang wiederholt Danko sagt den Satz und geht seiner Schwester damit ziemlich auf die Nerven. Erst als sie sich mit ihrem Vater einen Film über Eisbären angucken, versteht Mare, was Danko meint. Eisbärväter beschäftigen sich nur sehr wenig mit ihren Kindern. Aber ist ihr Vater deshalb wirklich ein Eisbär?

Edward van de Vendel und Saskia Halfmouw präsentieren hier ein zauberhaftes Kinderbuch, das die Themen Trennung und Scheidung kindgerecht aufgreift. Mit viel Feingefühl erzählt der vielfach ausgezeichnete niederländische Autor von Trennungsgefühlen, Geschwisterliebe und der Bedeutung der gemeinsamen Zeit mit dem Vater. Die merkwürdige Aussage von Danko zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Doch wie Mare, so ist auch uns Leser*innen zunächst nicht klar, was dieser Satz zu bedeuten hat. Wieso soll der Papa ein Eisbär sein? Erst bei einem späteren Papa-Besuch, als die drei gemeinsam einen Eisbärfilm schauen, erkennt man, warum Danko auf diesen Gedanken gekommen ist. Dieses Buch gibt einen wunderbaren Einblick in die Gefühlswelten von Trennungskindern. Es zeigt, wie schwierig es für solche Kinder sein kann, in der neuen Lebenssituation anzukommen, erinnert gleichzeitig aber auch daran, dass Elternliebe keine Entfernungen kennt und man immer füreinander da ist. Darüber hinaus wird auch deutlich, wie lieb sich die beiden Geschwister haben. Es wird sich gegenseitig getröstet, in den Armen genommen oder fest geknuddelt. Junge Leser*innen, die gerade ähnliches wie Mare und Danko durchmachen, werden sich hier sehr verstanden fühlen und aus der Geschichte Mut und Trost schöpfen.

Die zahlreichen Illustrationen von Saskia Halfmouw setzen das Erzählte kongenial in Szene und erzählen es zugleich weiter. Oft angeordnet wie in einem Comic zeigen die Bilder typische Alltagssituationen und veranschaulichen gekonnt das innige Geschwisterband. Gedanken- und Sprechblasen lockern das Ganze auf und durch die überwiegend grünen und roten Farben wird eine warme Atmosphäre geschaffen. Besonders originell ist die Stelle, an der wir Lesenden gemeinsam mit Mare zu verstehen beginnen, was hinter Dankos Aussage steckt. Diese Szene steckt voller Poesie und verleiht der schwierigen Thematik eine angenehme, spielerische Leichtigkeit.

 

Fazit: „Papa ist ein Eisbär“ ist eine einfühlsame und herzerwärmende Geschichte über Trennungskinder, Familie und kindliche Fantasie. Ein ganz besonderes Kinderbuch ab 6 Jahren, das ermutigt, berührt und zu Gesprächen einlädt. Ich bin begeistert von diesem Vorlesebilderbuch und kann es nur wärmstens empfehlen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

 



Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!

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