Klappentext:
Quelle: Insel Verlag
Rezension:
Die elfjährige Emma kann es immer kaum erwarten, wenn die langen Schultage vorbei und die Hausaufgaben gemacht sind. Dann kann sie endlich nach draußen gehen, Pflanzen erforschen, Tiere beobachten und alles um sich herum vergessen. Emma liebt nichts mehr als die Natur, so wie ihre Mutter, die ihr von klein auf beigebracht hat, wie wertvoll Flora und Fauna sind. Doch so sehr Emma die kleinen verborgenen Geschöpfe und Dinge auch liebt – an Feen glaubt sie eigentlich trotzdem nicht. Dies soll sich jedoch ändern, als sie auf einem ihrer Streifzüge im verwilderten Park nebenan ein sehr merkwürdiges Insekt entdeckt. Voller Neugier folgt sie ihm ins Brombeerdickicht – und steht plötzlich auf einer wunderschönen, geheimnisvollen Lichtung. Doch ehe sie sich es versieht, wird sie gestochen und auf die Größe einer Maus geschrumpft. Wenig später hört sie ein Flattern über sich und – Emma traut ihren Augen kaum – findet sich auf einmal umringt von mehreren Feen wieder. Diese sind alles andere als freundlich gesinnt und überhaupt nicht begeistert davon, dass ihre geheime Welt von einem Menschen entdeckt wurde. Nur die Distel-, Löwenzahn- und Glockenblumenfee zeigen Mitleid mit Emma und sind bereit, ihr zu helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einem Mittel, dass sie wieder wachsen lässt. Ob es ihnen wohl gelingen wird, Emma zu retten?
Die Werke von Cornelia Funke begleiten und begeistern mich seit meiner Kindheit. Ob Tintenherz, Herr der Diebe, die Wilden Hühner oder Drachenreiter – ich habe sie alle verschlungen und geliebt. Ihr neues Kinderbuch konnte ich mir daher natürlich nicht entgehen lassen und meine Erwartungen waren entsprechend hoch. Komplett erfüllt wurden sie letztendlich zwar leider nicht, aber Cornelia Funke hat es dennoch mal wieder geschafft, mich mit ihren Worten zu verzaubern.
Mit „Emma glaubt nicht an Feen“ präsentiert die bekannte deutsche Kinderbuchautorin einen vielversprechenden Reihenauftakt, in dem weitaus mehr steckt als nur eine fantastische Feengeschichte. Auf ihre gewohnt bildliche und atmosphärische Weise entführt uns Cornelia Funke in das Grüne Königreich, lässt die Pflanzenwelt vor dem inneren Auge lebendig werden und schafft es mal wieder mühelos, einen direkt in den Bann zu ziehen. Gemeinsam mit Hauptprotagonistin Emma verschlägt es uns Leser*innen bereits nach wenigen Seiten in das verborgene Land der Feen, in dem ziemlich gefährlich und finster zugeht und die Feen bei weiten nicht die lieblichen Geschöpfe sind, wie man sie aus vielen Erzählungen und Märchen kennt. Statt glitzernd und niedlich bekommen wir es hier mit sehr eigenwilligen und teils ruppigen Wesen zu tun, die überhaupt nicht gut auf die Menschen zu sprechen sind. Verständlich, zerstören wir großen „Trampler“ doch ihren Lebensraum und zeigen oft kaum Respekt vor der Natur und übersehen all ihre Wunder, die sie zu bieten hat. Wie oft treten wir völlig unbedarft auf einen Löwenzahn oder klatschen eine Mücke tot, weil sie uns stört. Dieses Buch ist ein Plädoyer für den Naturschutz und dafür, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Es zeigt nicht nur den jungen Leser*innen, wie magisch unsere Flora und Fauna eigentlich ist und wie wichtig es ist, sie zu schützen und zu bewahren. Wir sollten uns alle ein Beispiel an der kleinen Emma nehmen, die mit ihrer neugierigen und naturverbundenen Art hoffentlich viele Kinder dazu inspirieren wird, wieder mehr nach draußen zu gehen, wo es so viel Aufregendes zu entdecken und zu erleben gibt. Und wer weiß, vielleicht begegnet man ja irgendwo auch mal einer winzigen Distel- oder Walnussfee?
Darüber hinaus erzählt die Geschichte auch von Freundschaft, Zusammenhalt und der Erkenntnis, dass es sich lohnt, seine Vorurteile zu überwinden. Es ist berührend zu sehen, wie einige Feen ihre Vorbehalte gegenüber Emma ablegen und sich mit der Zeit eine innige Freundschaft zwischen ihnen entwickelt. Mir persönlich kam das Buch bisweilen leider etwas zu stark mit dem erhobenen Zeigefinger daher und Emmas Gedanken, dass sie eigentlich gerne in der Feenwelt bleiben möchte, fand ich nicht so recht nachvollziehbar. Die meisten Feen behandeln sie schließlich ziemlich feindselig und machen keinen Hehl daraus, dass sie sie am liebsten im Magen eines Fuchses sehen möchten.
Die zahlreichen liebevollen und detailreichen schwarz-weiß Illustrationen von Elias Linnekuhl fangen den Zauber der Erzählung perfekt ein und lassen einen noch tiefer in die Geschichte eintauchen.
Fazit: „Emma glaubt nicht an Feen“ ist eine spannende, kluge und magische Abenteuergeschichte über Freundschaft, Mut und die Schätze der Natur, die es zu bewahren gilt. Ein zauberhaftes Kinderbuch ab 7 Jahren, das aufrüttelt und dazu anregt, genauer hinzuschauen und auch die kleinen Wunder zu entdecken, die man oft einfach übersieht. Auch wenn mich das Buch nicht vollends überzeugen konnte, hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen und kann es kaum erwarten, mich mit dem Emma ins nächste Abenteuer zu stürzen. Von mir gibt es sehr gute 4 von 5 Sternen.
Vielen lieben Dank an den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar!




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