Freitag, 5. April 2024

[Rezension] Cato und die Dinge, die niemand sieht von Yorick Goldewijk

Hardcover
Übersetzt von Sonja Fiedler Tresp
Ab 10 Jahren
240 Seiten
ISBN: 9783748802600
Erschienen: 20.02.2024

Klappentext:

Es gibt Momente im Leben, die möchte man unbedingt noch einmal erleben. Und es gibt Momente im Leben, die möchte man ungeschehen machen. Beides ist unmöglich, denkt Cato, bis sie eines Tages eine Visitenkarte auf dem Klavier ihres Vaters findet: „Filme, die nirgends laufen, die du aber schon immer sehen wolltest“, steht darauf. Die Adresse führt Cato zu der mysteriösen Frau Kano, die in ihrem Kino besondere Zeitreisen anbietet. Hat Cato hier vielleicht die Möglichkeit, zum ersten Mal ihre Mutter zu treffen? Auf der Suche nach der Wahrheit begibt sie sich auf eine gefährliche Reise durch Zeit und Erinnerungen, bis sie vor einer Entscheidung steht, die ihr Leben für immer verändern wird.

Quelle: Dragonfly Verlag

Rezension:

Die 12-jährige Cato ist ohne Mutter aufgewachsen und lebt zusammen mit einem Vater, der meist völlig geistesabwesend ist und seiner Tochter kaum Beachtung schenkt. Er hat den Tod seiner Frau, die bei Catos Geburt gestorben ist, bis heute nicht verarbeitet und spricht nur wenig über sie, sodass Cato kaum etwas von ihr weiß. Sie führt von klein auf ein ziemlich einsames und schweres Leben. In der Schule ist sie eine Außenseiterin, bis auf ihr Kaninchen hat sie keine Freunde und zu Hause muss sie nicht nur ihren trauernden Vater ertragen, sondern auch die Nachbarin Cornelia, die mehrmals in der Woche zum Putzen kommt und Cato mit ihrem besserwisserischen Gerede gehörig auf die Nerven geht. Ihr Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als sie eines Tages eine Werbung für ein Kino findet. Die Adresse führt sie zu der seltsamen Frau Kano, die in ihrem heruntergekommenen Kino „Filme, die nirgends laufen, die du aber schon immer sehen wolltest“ zeigt. Cato findet schließlich heraus, was es mit der Leinwand auf sich hat, dass man mit ihr durch die Zeit reisen kann. Ob sich ihr hier vielleicht die Möglichkeit bietet, ihre Mutter kennenzulernen und endlich mehr über sie zu erfahren? Auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit begibt sich Cato auf eine gefahrvolle Reise…

Ich habe nun schon etwas länger keinen Kinderroman mehr gelesen, der so außergewöhnlich ist und mich emotional dermaßen gepackt hat wie „Cato und die Dinge, die niemand sieht“. Dieses Buch wurde 2022 definitiv zurecht mit dem Goldenen Griffel ausgezeichnet, dem bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchpreis in den Niederlanden. Der niederländische Autor Yorick Goldewijk hat mit Catos Geschichte etwas Herausragendes geschaffen, das nicht nur für Kinder ab 10 Jahren absolut lesenswert ist, sondern auch für Erwachsene.

Schon die äußere Gestaltung ist mehr als gelungen. Das Cover strahlt sowohl etwas Hoffnungsvolles als auch eine gewisse Melancholie aus und der orangefarbene Buchschnitt bildet einen starken Kontrast zu dem blauen Einband. Und genau das, eine Geschichte voller Gegensätze, erwartet einen auch zwischen den Buchdeckeln.

Der Roman wird auf eine sehr ruhige Art und Weise erzählt, vermag aber dennoch durchgehend zu fesseln und obwohl ernste Themen behandelt werden wie Verlust, Trauer und Einsamkeit, wird es an keiner Stelle zu bedrückend. Die Handlung bringt einen zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln, sie ist ergreifend und warmherzig, traurig und tröstlich zugleich. Es ist einfach die reinste Freude, dieses Buch zu lesen und die 12-jährige Cato auf ihrem Weg zu begleiten.

Mit Cato hat der Autor eine einzigartige und starke Protagonistin erschaffen, bei der man sofort merkt, dass sie anders ist als andere Kinder. Cato sieht und schätzt Dinge, die sonst niemandem auffallen, diese kleinen Momente, die auf den ersten Blick so unbedeutend erscheinen. Sie hat ihre Ecken und Kanten und ist ein recht eigenwilliger Charakter, doch gerade das ist es, was sie so echt und sympathisch macht.

Auch die weiteren Figuren sind alles andere als perfekt. Catos Vater wirkt wie eine leere Hülle und ist so sehr mit seinem eigenen Kummer beschäftigt, dass er seine Tochter völlig vernachlässigt. Die nervige Nachbarin Cornelia mischt sich ständig in alles ein und Catos Kaninchen Beggar So grunzt wie ein Schwein. Und dann wäre da natürlich noch Kano, die einem eine lange Zeit Rätsel aufgibt. Mit ihr kommen dann auch die Zeitreisen ins Spiel, die dem Ganzen etwas Magisches verleihen und für jede Menge Spannung sorgen. Es ist faszinierend und berührend mitzuerleben, welche Menschen das Kino besuchen, was für eine Geschichte sie haben und wie sie damit umgehen. Man kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen und mag nicht eher wieder daraus auftauchen, bis es vorbei ist.

Fazit: „Cato und die Dinge, die niemand sieht“ ist eine bewegende, einfühlsame und tiefgründige Geschichte über Familie, Trauer und Hoffnung, über zweite Chancen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ein ganz besonderer und wunderschöner Roman, der das Herz und zu Tränen rührt, fesselt und Spaß macht. Ein Buch, das man so schnell nicht mehr vergisst. Ob Jung und Alt – ich kann Catos Geschichte jedem nur ans Herz legen, mich hat sie von Anfang bis Ende begeistert. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

 





Vielen lieben Dank an den Dragonfly Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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