Sonntag, 18. Oktober 2026

[Rezension] Mein größtes Glück von Barbara O‘Connor

Hardcover
Übersetzt von Alexandra Ernst
Ab 9 Jahren
192 Seiten
ISBN: 978-3-7432-2679-1
Erschienen: 10.09.2026

Klappentext:

Der Hund saß unter dem Baum und sah mich mit schräg gelegtem Kopf an. Er hatte ein weißes Gesicht mit kleinen schwarzen Punkten, die Sommersprossen ähnelten, und schwarzes Fell um ein Auge, wie eine Augenklappe. Seine Ohren waren weich, doch als er mich ansah, richteten sie sich auf. Das Beste an ihm war aber, dass es so aussah, als würde er mich anlächeln.

Quelle: Loewe Verlag

Rezension:

Vor allen anderen tut Georgina so, als würde sie immer noch mit ihrer Familie im Apartment 3B wohnen. Dabei lebt sie mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Toby in Mamas altem Chevrolet, seit der Vater sie sitzengelassen hat. Während die Mutter verzweifelt versucht, mit mehreren Job genug Geld für eine neue Wohnung zu verdienen, gehen Georgina und Toby weiter wie gewohnt zur Schule und versuchen sich nichts anmerken lassen. Doch ihr ungepflegtes Aussehen lässt sich mit der Zeit nicht mehr verbergen. Georgina wünscht sich nichts mehr als wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und frisch gewaschene Haare und saubere Kleidung zu haben. Sie würde alles dafür tun – sogar etwas Verbotenes tun. Als sie ein Plakat entdeckt, auf der jemand 500 Dollar Finderlohn für seinen vermissten Hund zahlt, fasst Georgina einen Plan: Sie will einen Hund stehlen und ihn anschließend zu dem Besitzer zurückbringen, um den Finderlohn zu bekommen. Dann hätten sie endlich genug Geld für eine neue Wohnung. Doch es kommt alles ganz anders als gedacht.

Nach meiner großen Begeisterung für „Mein größter Wunsch“ war ich wahnsinnig gespannt auf das neue Kinderbuch von Barbara O‘Connor. Schon das Cover von Verena Körting verzauberte mich auf Anhieb und was soll ich sagen, auch die Geschichte dahinter hat mich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, mir hat Barbara O‘Connors neues Werk sogar noch etwas besser gefallen als ihr vorheriges.

Die US-amerikanische Autorin Barbara O‘Connor hat mit „Mein größtes Glück“ einen weiteren zeitloses Kinderroman geschaffen, in dem sie ein schwieriges, aber wichtiges Thema aufgreift, das noch viel zu selten in Kinderbüchern vorkommt. Aus der Sicht eines Kindes erzählt sie von Armut, Verzweiflung und Schuldgefühlen und davon, was es heißt, auf der Straße zu leben. Sie erzählt aber auch von Hoffnung, Mitgefühl und Verantwortung und dem Glück, das manchmal ganz unverhofft kommt. Georgina ist eine starke und nahbare Protagonistin, in die man sich unheimlich gut hineinversetzen. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie sie sich sehr nach einem echten Zuhause sehnt, sich für Dinge schämt, für die sie nichts kann und ihr schlechtes Gewissen immer größer wird, nachdem sie den kleinen Hund gestohlen hat. Als Leser*in fragt man sich immer wieder, wie man wohl selbst in so einer Situation handeln würde. Würde man ebenfalls etwas tun, von dem man genau weiß, dass es falsch ist? Und würde man dann (wie Georgina) den Mut finden, für seine Fehler einzustehen?

Die Geschichte öffnet Augen für Obdachlosigkeit. Sie reißt mit, regt zum Nachdenken an und ist definitiv nicht nur für Kinder eine wertvolle Lektüre. Vor allem die Ratschläge des Landstechers Mookie, der viel klüger ist, als man zunächst vermuten würde, sollte jeder von uns beherzigen.

Barbara O‘Connor beschönigt wahrlich nichts, beschreibt das Ganze zugleich aber auch so voller Feingefühl und Wärme, dass man das Buch trotz dieses ernsten Themas mit einem warmen Gefühl im Bauch liest und es am Ende glücklich zuklappen kann.

Fazit: „Mein größtes Glück“ ist eine berührende, emotionale und hoffnungsvolle Geschichte über die Sehnsucht nach einem echten Zuhause und den Mut, den richtigen Weg zu wählen. Ein wunderschönes Kinderbuch ab 10 Jahren, das fesselt, zu Herzen geht und lange nachhallt. Mich hat dieses Buch tief bewegt und absolut begeistert! Ich habe Georgina nur zu gerne auf ihrem Weg zum Glück begleitet und kann jedem nur ans Herz legen, dies ebenfalls zu tun. Von mit gibt es 5 von 5 Sternen.




 

Vielen lieben Dank an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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