Samstag, 31. Oktober 2026

[Rezension] Die Schule der außergewöhnlichen Feen - Elvas magische Gabe von Farnanda & Piper CJ

Hardcover
Übersetzt von Anja Fislage
Illustriert von Mat Rockefeller
Ab 10 Jahren
288 Seiten
ISBN: 978-3-649-65212-0
Erschienen: 15.06.2026

Klappentext:

Elvas Gabe ist faszinierend und beängstigend zugleich: Sie kann sehen, wie Menschen sterben werden. Das macht sie in der Menschenwelt zur Außenseiterin, doch als sie an der Schule für außergewöhnliche Feen aufgenommen wird, scheint sie endlich ihren Platz gefunden zu haben! Hier trifft Elva auf Mitschüler und Mitschülerinnen, die alle halb Mensch und halb … etwas anderes sind. Doch hinter den Mauern der Schule schwelt ein alter Konflikt und als einer ihrer neuen Freunde spurlos verschwindet, muss Elva eine Entscheidung treffen. Kann sie sich ihrer größten Angst stellen: ihrer eigenen Magie? Kann sie einen Freund retten, dessen Schicksal sie selbst vorhergesehen hat?

Quelle: Coppenrath Verlag

Rezension:

Die 12-jährige Elva hat eine ganz besondere, aber ziemlich beängstigende Gabe: Sie kann sehen, wie Menschen sterben. Die anderen halten sie daher für seltsam und sogar gruselig. Freunde hat Elva keine, selbst ihre Mutter lehnt sie ab. Ihr Leben ändert sich jedoch schlagartig, als sie in eine psychartrische Klinik eingewiesen sein soll und stattdessen von der Fee Farnanda ins Feenreich gebracht wird, wo sie fortan die Schule für außergewöhnliche Feen besuchen soll. Hier, inmitten des Verlorenen Waldes, sind alle wie sie: Halb Mensch, halb irgendetwas anderes. Da wäre zum Beispiel Halb-Dschinn Essie oder ihre Zimmermitbewohnerin Trym, einer tauben Halb-Banshee, deren Schreie tödlich sind (in ihrer Gegenwart sollte man besser immer mit Ohrenstöpseln schlafen!). An diesem ungewöhnlichen Ort fühlt sich Elva endlich verstanden und akzeptiert und findet schnell Freunde. Doch das Internat steckt voller Geheimnisse und als Essie auf einmal spurlos verschwindet, muss Elva all ihren Mut zusammennehmen, um ihren Freund zu retten.

Piper CJ präsentiert hier einen vielversprechenden Reihenauftakt, der zwar etwas weniger unheimlich daherkommt, als das Cover vermuten lässt, aber dennoch die ideale Lektüre für die schaurig-schöne Jahreszeit ist.

Vor allem zu Beginn ist die Geschichte recht düster. Wir lernen unsere 12-jährige Protagonistin Elva kennen, deren vermeintliche „Gabe“ ein wahrer Fluch ist. Die Vorstellung, dass ein Kind den Tod anderer Menschen voraussehen kann, ist besonders für ein Kinderbuch etwas heftig und zu sehen, dass selbst die eigene Mutter Elva nicht haben möchte, lässt einen zutiefst mitfühlen. Mir, als Erwachsene, hat diese melancholische und bedrückende Atmosphäre sehr gut gefallen, solch skurrile Geschichten mochte ich schon immer gerne. Das empfohlene Lesealter ist jedoch durchaus mit Vorsicht zu genießen, nicht für jedes zehnjährige Kind wird dieses Buch etwas sein. Ich persönlich würde die Altersempfehlung ein, zwei Jahre höher ansetzen.

Im weiteren Verlauf wird das Buch aber zunehmend freundlicher und wärmer. Die Wende kommt mit dem Auftauchen der mysteriösen Farnanda, die uns die Geschichte erzählt und im Prolog und Epilog auch selbst richtig zu Wort kommt. Witzigerweise wird sie sogar als Autorin auf dem Cover genannt – eine sehr coole Idee!

Gemeinsam mit Elva tauchen wir in die magische Welt der Feen ein, erkunden das geheime Internat und lernen nach und nach die anderen Schüler*innen kennen, die wie Elva sind: Anders. Halb Mensch, halb Fabelwesen. Elva befindet sich plötzlich unter Gleichgesinnten, findet die ersten Freunde ihres Lebens und hat endlich das Gefühl, ihren Platz gefunden zu haben. Die Themen Freundschaft, Mut, Anderssein, Selbstfindung und Akzeptanz werden hier wunderbar aufgegriffen. Die Geschichte führt uns schonungslos vor Augen, wie schnell wir andere als Sonderling abstempeln, nur, weil sie irgendwie von der „Norm“ abweichen. Gleichzeitig macht sie aber auch Mut und kann besonders für junge Leser*innen, die anders sind und sich unverstanden fühlen, ein kleiner Trostspender sein. Es macht einfach Freude, Elva auf ihrem Weg zu begleiten und mitzuerleben, wie sie über sich hinauswächst und für das einsteht, woran sie glaubt. Auch die weiteren Charaktere bereichern das Leseerlebnis ungemein. Die Autorin hat einige faszinierende Figuren und Wesen ins Leben gerufen und eine sehr fantasievolle Story erschaffen, die leichte „Wednesday“ – Vibes aufkommen lässt. Man fiebert und rätselt beim Lesen mit und sitzt am Ende mit einigen Fragen im Kopf da. Wie gut, dass der zweite Band bereits nächstes Frühjahr erscheinen wird. Ich freue mich sehr darauf!

Neben aller Begeisterung gibt es aber auch einen Grund zum Meckern: Leider haben sich ziemlich viele Rechtschreib- und Grammatikfehler eingeschlichen, was gerade für ein Kinderbuch äußerst unschön ist. Hoffentlich kann das in späteren Auflagen korrigiert werden!

Deutlich positiver ist dafür die Gestaltung des Buches. Nicht nur das Cover ist ein echter Hingucker, auch das Innenleben ist zauberhaft gestaltet, angefangen bei den farbigen Vorsatzpapieren bis hin zu den stimmungsvollen schwarz-weiß Illustrationen von Matt Rockefeller, die die geheimnisvoll-magische Atmosphäre der Geschichte perfekt einfangen.
 

Fazit: „Die Schule der außergewöhnlichen Feen – Elvas magische Gabe“ ist ein spannendes und magisches Internatsabenteuer über die Kraft der Freundschaft, das Gefühl von Zugehörigkeit und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Ein außergewöhnlicher Fantasy-Auftakt ab 11 Jahren, der sich erfrischend von anderen Feengeschichten abhebt und neugierig auf mehr macht. Also mir hat dieses Buch viel Spaß gemacht, ich kann es sehr empfehlen. Von mir gibt es sehr, sehr gute 4 von 5 Sternen.



 

Vielen lieben Dank an den Coppenrath Verlag für das Rezensionsexemplar!


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