Montag, 19. Oktober 2026

[Rezension] Serpentis 1: Das Rätsel der Schlangen von Silja Sillanpää und Pasi Pitkänen

Hardcover
Übersetzt von Elina Kritzokat
Illustriert von Pasi Pitkänen
Ab 10 Jahren
264 Seiten
ISBN: 978-3-7512-0925-0
Erschienen: 09.10.2026

Klappentext:

Ein geheimnisvoller Zug, uralte Runen und die Suche nach seiner verlorenen Mutter: Der zwölfjährige Stein wagt sich in eine Welt unter der Erde, wo nichts ist, wie es scheint. Auf einem serpentinenartigen Zug voller Fremder - Träumer, Visionäre und Untergangspropheten - hofft er, seine verschwundene Mutter zu finden. Doch wem kann er trauen? Während der Zug unaufhaltsam in die Dunkelheit rast, gerät Stein immer tiefer in ein Netz aus Rätseln, das sein Schicksal für immer verändern könnte.

Quelle: Oetinger Verlag

Rezension:

Der 12-jährige Stein ist bei seinen Großeltern Mauri und Malviina aufgewachsen. Seine Mutter ist spurlos verschwunden, als er ganz klein war, das Einzige, was er von ihr hat, ist ein altes Foto. Als Mauri und Malviina kurz nach seinem 12. Geburtstag in ein Pflegeheim müssen, macht sich Stein auf die Suche nach seiner verschollenen Mutter. Es ist der Beginn eines unglaubliches Abenteuers. Gemeinsam mit seiner zahmen Schlange Niji landet er in einer geheimnisvollen Welt unter der Erde, in der nichts ist, wie es scheint. An einem verlassenen Bahnhof wird er von dem Mädchen Dia aufgegabelt und in einen merkwürdigen Schlangenzug mitgenommen, in dem sich nicht minder seltsame Passagiere befinden. Hier besitzt jeder, wie er, eine Schlange, und es gibt Abteile mit Marktständen oder Spieleautomaten. In Stein keimt die Hoffnung auf, dass er an diesem kuriosen Ort endlich seine Mutter finden wird. Doch je weiter der Zug ins Dunkle rast, desto rätselhafter wird es und Stein weiß irgendwann nicht mehr, wem er eigentlich trauen kann.

Ungewöhnliche und fantasievolle Bücher habe ich schon immer geliebt und wenn sie dann auch noch eine kleine Prise Grusel enthalten, erst recht. Solltet ihr dieses Faible mit mir teilen, kann ich euch „Serpentis“ sehr ans Herz legen. Die Geschichte kommt zwar weniger unheimlich daher, als das Cover vermuten lässt, aber wer gerne mal etwas ganz anderes lesen möchte, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

Das finnische Erfolgsduo Silja Sillanpää und Pasi Pitkänen präsentiert mit dem ersten Band ihrer dreibändigen Fantasy-Reihe ein mitreißendes Zugabenteuer, das schnell an Fahrt aufnimmt und einen nicht mehr aussteigen lässt. Bereits die ersten Kapitel sind recht schräg, allerdings ist das nur ein Vorgeschmack auf den Rest der Geschichte. Die Welt, in der man mit Ich-Erzähler Stein landet, ist ein herrlich bizarrer Ort voller Geheimnisse und sonderbarer Gestalten und Dinge, die man einfach hinnehmen und akzeptieren muss, wie sie sind. In dieser magischen, unterirdischen Parallelwelt läuft vieles anders als bei uns – und gerade das macht dieses Buch so faszinierend und unterhaltsam. Man muss sich darauf einlassen und wenn einem das gelingt, wird man einem ein wirklich tolles Leseerlebnis geboten.

Stein ist ein überaus sympathischer Protagonist, den man sofort ins Herz schließt. Dadurch, dass wir alles aus seiner Perspektive erleben und er uns Leser*innen öfters direkt anspricht, hat man richtig das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Es macht einfach Spaß ihn auf seiner Reise zu begleiten und gemeinsam mit ihm in diese kreative Welt einzutauchen. Ob ein serpentinenartigen Zug, der tief unter der Erde durch die Dunkelheit rast oder Schlangen, die als Schlüssel dienen – es gibt hier einfach so viel Spannendes zu entdecken, sodass es zu keiner Zeit langweilig wird. Letztendlich handelt es bei diesem Serienstart jedoch um eine Geschichte über einen Jungen auf der Suche nach seiner Herkunft. Über Freundschaft, Mut und die Erkenntnis, dass vieles nicht so ist wie es scheint. Am Ende bleiben eine Menge Fragen offen, sodass man das Weiterlesen kaum erwarten kann.

Optisch ist dieses Buch ein ganz besonderes Highlight! Pasi Pitkänen, der mich schon mehrmals mit seinen atmosphärischen Zeichnungen begeistern konnte, hat diesen Band atemberaubend illustriert. Jedes Kapitel wird von großflächigen, farbigen Bildern begleitet, die schaurig-schön und düster sind und die mystische Stimmung perfekt einfangen. Vor allem die doppelseitigen Illustrationen sind einfach großartig anzusehen.

Fazit: „Serpentis 1: Das Rätsel der Schlangen“ ist ein packendes, außergewöhnliches und bildgewaltiges Fantasyabenteuer über Freundschaft, Vertrauen und den Mut, Dinge zu hinterfragen. Ein gelungener Trilogie-Auftakt ab 10 Jahren, der durch seine eindrucksvolle Gestaltung und geheimnisvolle Atmosphäre besticht und nicht nur Kinder in den Bann zieht. Wer es gerne skurril und ein bisschen gruselig mag, ist hier definitiv genau richtig. Also ich bin begeistert und freue mich schon sehr auf den zweiten Band, der Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.




Vielen lieben Dank an den Oetinger Verlag und Vorablesen Junior für das Rezensionsexemplar!

 

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