Sonntag, 4. Oktober 2026

[Rezension] Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen von Cornelia Funke

Hardcover
Illustiert von Cornelia Funke
Ab 4 Jahren
40 Seiten
ISBN: 978-3-948743-66-6
Erschienen: 03.09.2026

Klappentext:

Hast du schon mal davon geträumt, unter Wasser zu leben? Du könntest zu den Meerleuten ziehen! Sie lieben es, ihre Städte in gesunkenen Schiffen zu bauen. Oder magst du lieber einem Fossegrim, einem Troll und einem Homunkulus begegnen? Dann komm mit nach MÍMAMEIÐR, dem Zufluchtsort für Fabelwesen! Du möchtest dich in einem Wald verlieren? Dann habe ich zwei zur Auswahl: Einen Urwald mit Papageienreitern und einen Feenwald voller Blumen. Für beide Reiseziele wäre es praktisch, wenn du dich vorher winzig klein schrumpfen könntest. Wenn du lieber drinnen bleiben magst, würde ich dir das Bücherregal von Isotta Poggi in Ombra empfehlen! Aber pass auf, dass dich kein gehörnter Marder in die Finger beißt, wenn du es wagst, eins der Bücher in die Hand zu nehmen!

Quelle: kunstanstifter Verlag

Rezension:

Seit fast 40 Jahren begeistert Cornelia Funke kleine und große Leser*innen mit ihren fantastischen Geschichten. Ihre Bücher öffnen Türen in andere Welten, wo man auf Drachen reiten, Gespenster jagen oder durch die Türchen eines magischen Adventskalenders schlüpfen kann. Ob Tintenherz, Drachenreiter, die Gespensterjäger oder die Wilden Hühner: Die Werke von Cornelia Funke sind einfach zeitlos und zählen schon längst zu den Kinderbuchklassikern. Doch Funke ist nicht nur Schriftstellerin – sie ist auch Illustratorin und hat viele ihrer Bücher selbst bebildert. Für „Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen“ aus dem kunstanstifter Verlag hat sie mal wieder zum Pinsel gegriffen und mit ihrem unverwechselbaren Stil Bilderwelten erschaffen, die dem Untertitel mehr als gerecht werden: In diesem Buch kann man sich wirklich herrlich stundenlang verlieren.

In einem Interview habe ich gelesen, dass alles mit dem Weihnachtsbuch „Hinter verzauberten Fenstern“ begonnen hat. Funke wollte wissen, wer eigentlich hinter den Fenstern des Adventskalenders wohnt und begann zu malen. Das Bild wurde immer größer und aus einem wurden schließlich zwei Bilder. Und dann drei, dann vier...Immer mehr Welten kamen hinzu. Und so ist schließlich das hier vorliegende eindrucksvolle, großformatige Bilderbuch entstanden, bei dem schon allein der Titel ein magisches Leseerlebnis verspricht.

Auf insgesamt zehn fast A3-großen Wimmelbildern entführt uns Funke zu den fantastischsten Orten und lädt zum Staunen, Entdecken und Nicht-mehr-Auftauchen-wollen ein. Obwohl es nur recht wenig Text gibt, ist „Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen“ definitiv kein Buch, das man mal so eben schnell durchblättert. Hier guckt man sich wirklich fest. Die farbenfrohen Bilder stecken voller unglaublichem Detailreichtum, winziger Szenen und Nebengeschichten. Überall wimmelt es nur so vor Fabelwesen: Feen, Drachen, Kobolde, Meermenschen und noch viele mehr. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, weil es einfach so zu sehen gibt und man ständig etwas Neues findet. Es fühlt sich fast schon so an, als würden die Seiten lebendig werden. War dieses merkwürdige kleine Wesen eben auch schon da? Ist da nicht gerade eine Fee vorbeigeflattert? Und was verbirgt sich eigentlich dort hinter dem Fenster?
 

In den Wimmelwelten lässt Funke bekannte Figuren aus ihren Werken auf neue wunderbare Charaktere treffen. Man kann in die kunterbunte Unterwasserwelt aus „Lilli und Flosse“ abtauchen oder nach MÍMAMEIÐR reisen, „Das Haus der Fabelwesen“. Auch der Burg aus „Igraine Ohnefurcht“ kann man hier einen Besuch abstatten oder Emma aus „Emma glaubt nicht an Feen“ zu den Feen begleiten.

Im Anschluss gibt es zu jedem Bild noch einen kurzen Text, der jedoch keine abgeschlossene Erzählung ist, sondern vielmehr eine Einladung, der eigenen Fantasie ihren freien zu Lauf zu lassen und die Geschichten weiterzuspinnen. Gemeinsam noch einmal zurückzublättern, auf den illustrierten Seiten erneut auf Entdeckungssuche zu gehen und zu schauen, was man beim ersten Betrachten vielleicht übersehen haben könnte. Diesen Teil des Buches hätte man vielleicht noch etwas hübscher und fantasievoller gestalten können, genauso wie das Cover, das doch etwas schlicht daherkommt. Nichtsdestotrotz bin ich begeistert von diesem Schätzchen!

„Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen“ ist eine wahre Hommage an Funkes Schaffen und Kreativität und ihrer Macht, uns in andere Welten zu ziehen und den stressigen Alltag für eine Weile zu vergessen. Gerade in der heutigen Zeit können wir so kleine Pausen von der Welt da draußen ziemlich gut gebrauchen.
 

Für mich, die mit den Werken von Cornelia Funke groß geworden ist, ist dieses Buch die pure Nostalgie. Ich musste beim Durchschmökern immer wieder an damals denken, als ich es mir als Kind mit „Tintenherz“ abends im Bett gemütlich gemacht habe oder mit Ben und Schwefelfell auf dem Rücken von Drache Lung durch die Lüfte geflogen bin.

Doch auch für Nichtkenner und Kinder ab 4 Jahren ist das Buch das reinste Vergnügen und weckt hoffentlich die Neugier auf Funkes Romane. Und vielleicht ja darauf, selbst zu Pinsel und Farben zu greifen und eigene magische Welten zu erschaffen.
 

Fazit: „Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen“ ist ein wundervolles Bilderbuch ab 4 Jahren mit märchenhaft schönen Wimmelbildern zum Eintauchen, Verlieren und Träumen. Ein großartiges Gesamtkunstwerk, das Jung und Alt gleichermaßen verzaubert und keiner Cornelia-Funke-Sammlung fehlen sollte. Von mir gibt es 5 von 5 begeisterten Sternen!




Vielen lieben Dank an den kunstanstifter Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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