Mittwoch, 13. Dezember 2017

[Rezension] Die 3 1/2 Musketiere mit dem goldenen L von Leuw von Katzenstein

Hardcover
Mit farbigen Illustrationen von Tim Köhler
240 Seiten
ISBN: 978-3-96177-000-7
Erschienen: 04. August 2017


Klappentext:

Niemand ist so mutig und stark wie Pozzo, Azzo, Tiramisu und der kleine Champignon! Darum verleiht ihnen König Loisel das goldene »L« und ernennt sie zu seinen MuskeLtieren. Die Freunde erhalten einen sehr wichtigen Auftrag: Sie sollen Prinzessin Rosabella zum König bringen, damit die beiden heiraten können. Doch der hinterhältige Kardinal Rischelraschel schmiedet ein geheimes Komplott. Und das ist nicht die einzige Gefahr, die unterwegs auf die dreieinhalb MuskeLtiere wartet ... 


Rezension:


Dieses Buch habe ich beim Stöbern in der Buchhandlung entdeckt. Ich lese ja total gerne alte Kinderklassiker oder Märchen. Auch die Abenteuer der drei Musketiere kenne ich natürlich und als mir „Die 3 1/2 Musketiere mit dem goldenen L“ bei meiner Stöbertour begegnet ist, konnten mich Cover, Titel und Klappentext sofort ansprechen. Auch der Innenteil hat mich extrem neugierig auf das Buch gemacht, da es sehr schön illustriert ist. Für mich stand daher fest, dass ich die 3 1/2 Musketiere mit dem goldenen L unbedingt kennenlernen muss!

Mut und Stärke muss belohnt werden, daher wird den vier Freunden Pozzo, Azzo, Tiramisu und Champignon vom König Loisel das goldene „L“ verliehen. Ab sofort dürfen sie sich die 3 1/2 MuskeLtieren nennen. 3 1/2, da Champignon sehr klein ist und daher nicht als ein ganzes MuskeLtier gezählt werden kann. Recht bald erhalten die vier einen äußerst wichtigen Auftrag: Sie sollen die Braut des Königs sicher zur Hochzeit bringen. Diese steht schon bald bevor, die Zeit drängt also. In einer Kutsche soll Prinzessin Rosabella zu ihrem zukünftigen Gemahlen gebracht werden. Allerdings stellt sich dies als ein schwieriges und recht gefährliches Unterfangen heraus. Der fiese Kardinal Rischelraschel hat einen hinterhältigen Plan ersonnen, mit welchem er selbst die Herrschaft erlangen möchte. Unsere 3 1/2 MuskeLtiere müssen auf ihrer Mission so einige Hürden überwinden und so mancher Gefahr ins Auge sehen. Ob es ihnen wohl gelingen wird, die Prinzessin rechtzeitig zum König zu bringen?

Zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben, ist nicht leicht. Hat mir das Buch nun gut gefallen oder eher nicht? Da ich schon recht viel Spaß beim Lesen hatte, tendiere ich zu ersterem, aber leider gab es in dem Buch auch ein paar Dinge, die ich nicht so gut fand.

So habe ich den Schreibstil als sehr ungewöhnlich und etwas schwierig empfunden. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich in die Geschichte hineingefunden und mich an die altmodische Erzählweise gewöhnt habe. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob diese altmodische Sprache das Richtige für Kinder ist.
Junge Leser lernen hier zwar neue Wörter kennen und erfahren, dass man früher anstatt „fragte“, „frug“ schrieb, aber meiner Meinung nach hat der Autor zu oft zu komplizierte Wörter verwendet.

Auch ist der Satzbau zum Teil etwas schwierig. Kinder sollten auf jeden Fall schon geübt im Lesen sein, um dieses Buch lesen zu können.

Bei der Handlung habe ich ebenfalls manches zu kritisieren. Viele Witze und Anspielungen werden von jüngeren Kindern sicher nicht verstanden werden wie „Mon Alisa“ (Mona Lisa). Ich als Erwachsene habe mich sehr über die witzigen Ideen amüsiert. So erfahren wir hier zum Beispiel, woher eigentlich der Name Tiramisu kommt oder wie es wirklich dazu kam, dass der Eiffelturm gebaut wurde. Wobei diese Erklärungen so verrückt sind, dass auch Kinder verstehen werden, dass diese nicht wahr sind.

Der Spannungsbogen der Geschichte ist leider nicht ganz so gut gelungen. Mir war der Anfang zu langatmig und ich denke, dass Kinder hier sehr schnell die Lust am Lesen verlieren werden. In den ersten Kapiteln erzählen die Musketiere ihre Geschichte, wo sie herkommen und was sie vor ihrer Zeit als Musketiere erlebt haben. Diese Erzählungen sind zwar durchaus sehr kreativ, lesen sich aber leider etwas langweilig.

Erst nachdem unsere Helden mit der Prinzessin aufbrechen, um die Braut zum König zu bringen, wird es spannender. Unsere Gefährten begegnen auf ihrer Reise wundersamen Wesen wie sprechenden Ratten oder einem sehr redseligen Skelett. Auch erleben sie jede Menge Abenteuer und ob sie es noch rechtzeitig zur Hochzeit schaffen werden, bleibt bis zum Ende offen, sodass man auf den letzten Seiten richtig ins Mitfiebern gerät.

Etwas, was man ganz groß loben muss, sind die wundervollen Illustrationen von Tim Köhler. Diese sind wirklich großartig und zu meiner Freude auch sehr oft ganzseitig. Ohne die vielen tollen Bilder hätte mir das Buch sehr wahrscheinlich deutlich weniger gut gefallen.


Ich war nun einige Tage am hin und her überlegen, wie viele Sterne ich dem Buch geben soll. Nachdem ich einmal rein gefunden habe, war mein Lesespaß eigentlich schon recht groß. Witzige und herrlich verrückte Ideen hatte der Autor auf jeden Fall. Und die tollen Zeichnungen waren ganz klar meine Highlights. „Die 3 1/2 Musketiere mit dem golden L“ ist so ein Buch, was sich in meinen Augen eher für Erwachsene und Jugendliche eignet anstatt für Kinder. Ich empfehle das Buch älteren Kinder, die gerne Sagen und alte Klassiker lesen und sich nicht an einer altmodischen Sprache stören. Jüngere Kinder sollten das Buch besser zusammen mit den Eltern lesen, damit diese ihnen unbekannte Wörter erklären können. Allerdings werden manche sogar vom Autor näher erläutert. Hinter einigen Begriffen befinden sich Sternchen, die anzeigen, dass es Erklärungen unten auf der Seite gibt. Diese lesen sich oft recht unterhaltsam, besonders der schwierig zu lesende Dialekt der sprechenden Ratten wird sehr amüsant übersetzt.


Fazit: Dieses Buch hat mich zwiespältig zurückgelassen. Die Aufmachung ist klasse, die Illustrationen von Tim Köhler kann ich nur immer wieder loben. Die Story ist zwar sehr kreativ und hat auch viele spannende Szenen – allerdings befinden sich auch immer wieder langatmige Kapitel in dem Buch, bei denen Kinder schnell die Lust am Lesen verlieren können. Der Schreibstil ist sehr altmodisch und gewöhnungsbedürftig. Ich als Erwachsene hatte schon meinen Spaß beim Lesen und kann das Buch auch weiterempfehlen. Allerdings handelt es sich hier in meinen Augen eher um ein Jugendbuch, da Kinder vieles noch nicht verstehen werden. Von mir erhält das Buch 3 von 5 Sternen!




Vielen Dank an den Woow books Verlag, der mir dieses schöne Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

[Aktion] Cover Theme Day #15



Dies ist eine Aktion von der lieben Charleen. Jeden Mittwoch muss man zu einem bestimmten Thema ein Buchcover zeigen. Ich mache bei dieser tollen Aktion wirklich gerne mit, da man bei dieser einige sehr interessante Bücher entdecken kann, die man vorher noch nie gesehen hatte. Wenn ihr gerne wissen wollt, was für Themen in der nächste Zeit noch kommen werden, dann klickt hier.


Das Thema dieser Woche ist: Zeige ein Cover, mit einem hölzernen Gegenstand“


Der kleine Ritter Trenk und der Turmbau zu Babel von Kirsten Boie

Klappentext: Wertolt, nimm dich in Acht! Gerade als der kleine Ritter Trenk und Thekla sich den Bau der neuen Kathedrale ansehen wollen, lässt der böse Ritter Wertolt den Dombaumeister entführen. Er will, dass dieser ihm die größte Burg der ganzen Welt baut. Doch Trenk und Thekla schleichen sich mit ihren Freunden bei Wertolt ein und stiften dort so viel Durcheinander, dass der Turmbau zu Babel dagegen eine Kleinigkeit ist!
Ein Vorleseabenteuer von Kirsten Boies Lieblingsritter, mit vielen großen farbigen Bildern von Barbara Scholz.
Quelle: Oetinger Verlag

Ich habe mich heute für ein Ritter Trenk Buch entscheiden. Auf dem Cover sieht man sogar zwei hölzerne Gegenstände: Einen kleinen Teil der Leiter und den Eimer, in welchem dieses niedliche Schweinchen sitzt. :-)
Kennt ihr die Ritter Trenk-Reihe? Mittlerweile gibt es zu den Büchern auch eine Zeichentrickserie, die ich mir allerdings nicht angesehen haben. Ich habe nur einen kurzen Blick auf die Vorschauen geworfen und da mich die Zeichnungen nicht so ansprechen konnten, hatte mich die Fernsehserie bisher noch nicht so gereizt. Wäre diese von Barbara Scholz gezeichnet worden, wie sie es auch in den Büchern getan hat, sähe die Sache schon ganz anders. Ich liebe die Bilder von Barbara Scholz! Sie malt immer total niedlich und ihre Illustrationen in den Ritter Trenk Büchern gefallen mir besonders gut. Ein großes Muss wäre die Reihe aber auch ohne diese tollen Zeichnungen für mich gewesen, da diese von Kirsten Boie geschrieben wurde, eine meiner Lieblingsautorinnen.
Ich kann euch die Bücher sehr empfehlen! Die Reihe ist zwar für Kinder, ist aber durchaus auch für Erwachsene lesenswert. Die Abenteuer des kleinen Ritter Trenks sind richtig süß und liebenswert!


Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] Die wirkliche Wahrheit von Dan Gemeinhart

Hardcover
256 Seiten
ISBN: 978-3-551-56015-5
Ab 12 Jahren
Erschienen: 02.10.2015

Klappentext:

Mark ist ein ganz normaler Junge. Eigentlich. Er hat einen Hund namens Beau und eine beste Freundin namens Jessie. Er fotografiert gerne und träumt davon eines Tages einen Berg zu besteigen.
Aber in einer Hinsicht ist er anders. Mark ist krank. Krankenhaus krank. So krank, dass er vielleicht nicht wieder gesund wird.
Mark haut ab – Beau immer an seiner Seite. Im Gepäck seine Kamera, sein Notizbuch und einen Plan, wie der den Gipfel von Mount Rainier erreichen kann. Und wenn es das Letzte ist, was er tut.
Eine Geschichte über einen Jungen, der einen Berg besteigt und über ein Mädchen, das zurückbleibt. Eine Geschichte über große Fragen und kleine Augenblicke. Und über stillen Mut, Entschlossenheit und den treusten Hund der Welt.


Rezension:

Im Oktober hatte ich „Ein weiter Weg“ von Dan Gemeinhart gelesen und da ich von diesem Buch hellauf begeistert war, wollte ich nun auch unbedingt sein erstes Werk „Die wirkliche Wahrheit“ lesen. Das Cover konnte mich zwar nicht so ansprechen, dafür aber der Klappentext umso mehr. Mich hat bisher noch kein Königskind enttäuscht, daher war ich mir sehr sicher, dass mir auch „Die wirkliche Wahrheit“ richtig gut gefallen wird.

Eigentlich ist Mark ein ganz normaler Junge. Er hat einen Hund, der sein allerbester Freund ist, eine Freundin namens Jessie, die er von klein auf kennt und einen großen Traum, den er unbedingt verwirklichen möchte: Er möchte einen großen Berg besteigen. Und zwar nicht irgendeinen, er möchte den Gipfel des Mount Rainier erklimmen. Allerdings ist Mark leider kein normaler Junge. Er ist krank, sehr krank und wird vielleicht bald sterben. Anstatt erneut ins Krankenhaus zu gehen, haut Mark ab. Mit seinem Hund Beau macht er sich auf den Weg zum Mount Rainier. Obwohl er schwach ist und vielleicht nicht lebend von seiner Reise zurückkehren wird, zieht Mark mutig und entschlossen los. Es dauert nicht lange und die Polizei sucht nach ihm. In den Nachrichten wird von ihm berichtet und neben der Unwetterwarnung scheinen die Medien kein anderes Thema mehr zu kennen als den vermissten Jungen. Unbemerkt zum Berg zu gelangen ist daher nicht leicht, doch Mark hat ein Ziel und dieses möchte er auch erreichen, egal wie schwierig dies auch sein mag.

Mit „Die wirkliche Wahrheit“ ist dem Autor Dan Gemeinhart ein ganz wundervolles Buch gelungen, welches mich sehr berührt und nachdenklich gestimmt hat.

Ich habe nun schon einige Bücher gelesen, die von krebskranken Protagonisten handeln. In den meisten steht die Krankheit im Vordergrund; in diesem Buch jedoch ist das anders. Natürlich nimmt Marks Krebs auch einen gewissen Teil der Geschichte ein; das Hauptthema dieses Romans ist aber Marks Traum, welcher uns Lesern nur zu deutlich vor Augen führt, dass das Leben kurz sein kann und man keine Ewigkeiten Zeit hat, sich seine Träume und Wünsche zu erfüllen.

Mark ist schlimm krank und müsste sich eigentlich wieder in Behandlung begeben. Er ist es aber so langsam leid, immer wieder gegen den Krebs anzukämpfen. Anstatt also im Krankenbett zu liegen, zieht der Junge mit seinem Hund los, um den Mount Rainier zu besteigen, etwas, wovon er schon lange geträumt hat.

Ich war beim Lesen etwas hin und her gerissen. Einerseits konnte ich Mark natürlich verstehen, dass er sich, in seinem vielleicht nur noch kurzen Leben, seinen größten Traum unbedingt noch erfüllen möchte, andererseits war ich auch groß in Sorge um ihn, dass diese anstrengende Reise zu viel für ihn wird. Auch habe ich sein Handeln manchmal als etwas egoistisch empfunden. Ohne jemandem Bescheid zu geben, haut er einfach ab und lässt seine Eltern und seine beste Freundin Jessie in großer Sorge um ihn zurück.

Da das Buch sehr besonders aufgeteilt ist, bekommt man die Verzweiflung von Marks Eltern und Jessie sehr gut mit. Das Buch besitzt nämlich einmal die normalen Kapitel, welche aus Marks Sicht erzählt werden – dann gibt es aber auch noch die halben Kapitel, die aus der Perspektive von Jessie in der dritten Person geschrieben sind.

Mir hat diese ungewöhnliche Aufmachung richtig gut gefallen. Durch diese wird eine tolle Spannung erzeugt, die es mir sehr erschwert hat, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Wie man sich denken kann, sucht bald schon die Polizei nach Mark und dank der halben Kapitel erfahren wir Leser immer ganz genau, wie viel die Polizei weiß und wie nah sie Mark schon gekommen ist.

So groß meine Sorge um Mark auch war, ich wollte dennoch die ganze Zeit über, dass die Polizei ihn nicht aufspürt, damit er es bis zum Mount Rainier schafft. Mark zeigt eine so große Entschlossenheit und Willensstärke, dass man den Jungen nur dafür bewundern kann und es ihm zutiefst gönnt, dass sein Traum Wirklichkeit wird.

Zum Glück ist Mark auf seiner Reise nicht alleine. Sein treuer Hund Beau ist stets an seiner Seite und verteidigt ihn vor jeder noch so großen Gefahr. Mark begegnet auf seinem Weg zum Mount Rainier freundlichen, aber leider auch nicht so freundlichen Menschen und bei letzteren hätte es ohne seinen heldenhaften Beau übel enden können.

Ich habe den kleinen Hund sofort fest in mein Herz geschlossen und in meinen Augen macht gerade diese wundervolle und sehr innige Beziehung zwischen Beau und Mark dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.

Neben der bewegenden Story ist auch der Schreibstil sehr gefühlvoll und liest sich klasse. Bei mir flogen die Seiten nur so dahin. Besonders zum Ende wurde das Buch richtig spannend und ich bin aus dem Hoffen und Mitfiebern gar nicht mehr ausgekommen.

Nun kenne ich also auch Dan Gemeinharts anderes Werk aus dem Königskinder Verlag und auch von diesem bin ich hellauf begeistert! Ich kann euch „Die wirkliche Wahrheit“ sehr ans Herz legen! Eine so schöne und berührende Geschichte muss man einfach gelesen haben.

Fazit: „Die wirkliche Wahrheit“ erzählt eine wunderschöne und zutiefst berührende Geschichte, welche einen mitten ins Herz trifft. Die Freundschaft zwischen einem krebskranken Jungen und seinem treuen Hund wird wundervoll warmherzig beschrieben und hat mich sehr bewegt. Dieses Buch führt einen vor Augen, was wirklich wichtig ist im Leben und ich kann es absolut empfehlen. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sternen!






Sonntag, 10. Dezember 2017

[Rezension] Winger von Andrew Smith

Hardcover
464 Seiten
ISBN: 978-3-551-56027-8
Ab 14 Jahren
Erschienen: 29.09.2016

Klappentext:
*** Sex und Liebe ***
Wenn man Ryan Dean West heißt, Klassenbester und dazu noch zwei Jahre jünger als alle anderen ist, wird einem der Kopf manchmal ins Klo gehängt. Aber Ryan Dean hat größere Sorgen: Wie soll er verhindern, dass sein neuer Zimmergenosse im Internat ihn nachts erwürgt? Noch wichtiger: Wie soll er Annie, die er wahnsinnig liebt, davon überzeugen, dass er nicht zu jung für sie ist? Ohne seinen Freund Joey aus dem Rugby-Team wäre dieses Schuljahr die Hölle. Dass Joey schwul ist, ist Ryan Dean völlig egal. Schließlich liebt er Joey. Auf total unschwule Art, versteht sich. Dann passiert das Undenkbare. Und Ryan Dean West begreift, was wirklich wichtig ist.

Rezension:

Ich liebe die Bücher aus dem Königskinder Verlag und kenne nun schon so einige wirklich großartige Werke! Auf „Winger“ war ich schon richtig gespannt gewesen. Der Klappentext verspricht eine sehr unterhaltsame Geschichte, welche genau in mein Beuteschema im Jugendbuchbereich passt.

Ryan Dean Wests Leben ist momentan nicht so, wie es der 14-jährige gerne hätte. Er ist zwei Jahre jünger als seine Klassenkameraden, ist Klassenbester (total uncool) und wird zudem von ein paar seiner Mitschüler schikaniert. So kommt es, dass sein Kopf eines Tages in einer Kloschüssel landet. Ziemlich eklig und alles andere als schön, aber Ryan Dean plagen noch andere, wichtigere, Dinge, welche für ihn sogar noch schlimmer sind, als ein Klo von innen zu sehen: Er ist unsterblich in Annie verliebt, nur weiß er nicht, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Schließlich ist er zwei Jahre jünger als sie, also viel zu jung. Zudem sieht sich Ryan Dean selbst als der totale Loser an, wie soll man also jemanden mit so einer Einstellung von sich überzeugen? Zum Glück steht er aber nicht alleine da, sondern hat einen guten Freund an seiner Seite. Joey ist zwar schwul und zusammen mit ihm abzuhängen ist nicht wirklich förderlich für Ryan Deans Ruf, dennoch würde er niemals auf diese wunderbare Freundschaft verzichten. Auch das Rugby Team bedeutet ihm viel. Als sich dann aber ein furchtbarer Zwischenfall ereignet, begreift Ryan Dean erst so richtig, was wirklich wichtig im Leben ist.

Die Erzählform von „Winger“ erinnert ein bisschen an ein Tagebuch. Wie erfahren alles aus der Sicht des 14-jährigen Ryan Dean und wie es in einem Tagebuch öfters geläufig ist, so wird auch hier nicht mit Umgangssprache und Schimpfwörtern gespart. Allerdings bekommen wir es hier mit wirklich sehr viel umgangssprachlichen Wörtern zu tun und wenn ihr euch an so etwas stören solltet, dann rate ich euch davon ab, „Winger“ zu lesen, denn Worte wie „Eier“, „Schwuchtel“ oder das F-Wort werden hier gerne und oft verwendet. Auch muss man auf diesen typischen „Jungs-Humor“ stehen. Ryan Dean geht mit seinen Kumpels und Mitschülern locker und ziemlich derb um. Es wird über heiße Mädchen gequatscht, über männliche Geschlechtsteile und vor Prügeleien wird hier auch nicht halt gemacht.

Mich hat das alles überhaupt nicht gestört. Mir war Ryan Dean sofort richtig sympathisch. Sein Spitzname Winger kommt übrigens von seiner Position im Rugby Team. Es ist eine Art eine Tradition im Internat, dass die Mitschüler nach ihren Spielpositionen benannt werden. Es geht in dem Buch also auch um Rugby, aber keine Sorge: Auch wenn man null Ahnung von dieser Sportart hat, so wie ich, versteht man trotzdem alles problemlos.

Ryan Dean oder eben kurz, Winger, besitzt einen großartigen Humor! Ich kam oft gar nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus und habe ich immer köstlich über die saloppe Umgangsweise der Jungen und Wingers eigene Meinung über sich selbst amüsiert. Winger betont nämlich ziemlich oft, was für ein Loser er doch ist und die Dinge, die dazu führen, dass er so von sich denkt, sind teilweise zum Schießen komisch.

So ist auch der Schreibstil richtig witzig und liest sich klasse. Ich habe das Buch, trotz seiner gut 460 Seiten, in nur etwas über zwei Tagen durchgelesen, da ich es kaum noch aus der Hand legen konnte. Was mir auch sehr gut gefallen hat, waren die vielen Comic-Zeichnungen. Winger zeichnet nämlich leidenschaftlich gerne und gibt uns von seinen Werken sehr viele Kostproben. Zum Glück, denn diese sind sehr unterhaltsam und geben auf super komische Art die peinlichen Situationen in Wingers Leben wieder.
Und davon gibt es so einige. Ich möchte euch ja nicht zu viel verraten, denn vielleicht wollt ihr das Buch ja auch noch lesen, aber so viel: Winger lässt wahrlich kein Fettnäpfchen aus und stolpert von einer peinlichen (und für uns höchst amüsanten) Situation in die nächste.

Das Buch handelt allerdings nicht nur von den Themen Liebe, Sex und alltäglichen Jungs-Problemen. „Winger“ besitzt auch einen erstaunlichen Tiefgang und behandelt noch so vieles mehr wie die Werte Vertrauen, Toleranz und Freundschaft sowie die Themen Mobbing, Alkohol und Homosexualität.
Besonders das Ende regt sehr zum Nachdenken an und hat mich auch ziemlich schockiert. Das Buch unterhält einen also nicht nur, es stimmt einen auch nachdenklich, in meinen Augen eine tolle Mischung.

Winger“ war mein erstes Buch von Andrew Smith und es wird definitiv nicht mein letztes gewesen sein. „Auf Umwegen“ steht bereits in meinem Regal und wird demnächst von mir gelesen werden. Nach diesem grandiosen Werk bin ich auf weitere Bücher des Autors schon mehr als gespannt!


Fazit: Absolute Leseempfehlung! Mit „Winger“ ist dem Autor Andrew Smith ein großartiges Jugendbuch gelungen, welches ich mir auch sehr gut als Schullektüre vorstellen könnte. Der Humor ist klasse und der Protagonist Winger super sympathisch. Neben dem Unterhaltungswert besitzt das Buch auch Tiefgang und behandelt wichtige Themen wie Mobbing, Homosexualität, Freundschaft und Vertrauen. Mir hat das Lesen hier sehr großen Spaß gemacht und wenn man sich an Umgangssprache und einen derben Jungs-Humor nicht stört, dann sollte man „Winger“ unbedingt lesen. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sternen!