Donnerstag, 17. Dezember 2020

[Rezension] Der verhexte Besen von Mary Stewart

Hardcover
 
Übersetzt von Henning Ahrens
Illustriert von Shirley Hughes
Ab 9 Jahren
174 Seiten
ISBN: 978-3-85535-626-3
Erschienen: 28.02.2019

Klappentext:

Harry Potter-Fans aufgepasst: Hier kommt seine Vorgängerin Mary Smith – eine Heldin, die mannicht mehr vergisst.
Die schüchterne Mary hat das bedauernswerte Schicksal, die Ferien im Gutshaus ihrer Tante verbringen zu müssen. Dort langweilt sie sich ganz schrecklich. Bis sie Tib begegnet, einer schwarzen Katze, die Mary in die dunklen Wälder führt, wo sie auf einen kleinen Besen stößt. Kaum hat Mary den Besen berührt, schießt er mit ihr in die Lüfte, und führt sie ins Endor College, ein Internat für Hexerei und Zauberei. Mary wird für eine neue Schülerin gehalten und findet schnell heraus, dass hier etwas ordentlich schiefgeht. Die Schüler müssen furchtbare Zaubersprüche erlernen, und die Direktorin Madam Mumblechook verfolgt einen finsteren Plan. Doch Mary ist fest entschlossen, sie zu stoppen …
Der berühmte Kinderbuchklassiker aus England!

Quelle: Atrium Verlag

Rezension:

Da mir der japanischen Anime-Film „Mary und die Blume der Hexen“ unheimlich gut gefallen hat, war ich sofort Feuer und Flamme, als ich erfuhr, dass es ein Kinderbuch gibt, auf welchem der Film basiert. Für mich stand sofort fest: „Der verhexte Besen“ möchte ich unbedingt lesen! 

Die 10-jährige Mary findet ihr Leben ziemlich deprimierend. An ihr ist einfach alles total unscheinbar, sogar ihr Name: Mary Smith. Langweiliger und unscheinbarer geht es echt nicht. Und als wäre das nicht schon frustrierend genug, ist sie auch noch die Einzige in ihrer Familie, die so furchtbar durchschnittlich ist. Ihre fünf Jahre älteren Geschwister, die Zwillinge Jeremy und Jenny, sind viel hübscher, klüger und großartiger als sie. Als die Eltern verreisen müssen und Mary zu ihrer alten Großtante Charlotte nach Shropshire verfrachtet wird, sinkt ihre Laune noch weiter in den Keller. Diese Ferien werden garantiert sterbenslangweilig werden. Zunächst scheint es auch so, dass Mary mit dieser Vermutung richtig lag. Als sie aber kurz nach ihrer Ankunft einer schwarzen Katze begegnet, wenig später eine seltsame Blume mit magischen Kräften findet und dann auch noch mit einem verzauberten Besen in die Lüfte steigt, wird dem Mädchen sehr schnell klar, dass es mit der Langeweile nun vorbei ist. Der Besen fliegt Mary zu einem merkwürdigen Internet – dem Endor College, eine Schule für Hexerei und Zauberei. Irrtümlicherweise wird sie für eine neue Schülerin gehalten und von der Direktorin durch das Gebäude geführt. Mary wird sehr schnell herausfinden: An dieser Schule geht es nicht mit rechten Dingen zu. Die Direktorin Madam Mumblechook verfolgt äußerst finstere Pläne, die unbedingt verhindert werden müssen.

Irgendwie ist ja mein Eindruck, dass „Der verhexte Besen“ hier bei uns Deutschland leider ziemlich unbekannt ist. Auch an mir ist dieser Titel bisher völlig vorbeigegangen, muss ich gestehen. Hätte ich nicht den japanischen Zeichentrickfilm gesehen, wäre ich vielleicht nie auf die Buchvorlage aufmerksam geworden. Im Englischen aber ist die Geschichte um einiges bekannter. Dort zählt sie inzwischen sogar als Kinderbuchklassiker.

Da das Buch in seinem Herkunftsland so berühmt ist und mir die Animieverfilmung so gut gefallen hat, ließ es sich bei mir nun irgendwie nicht vermeiden, dass ich mir ziemlich viel von dem Buch erhofft habe. Um es kurz zu machen: Mir hat „Der verhexte Besen“ ein herrliches Leseerlebnis beschert. Ein kleiner Nachteil bei mir war nur, dass ich die Geschichte teilweise mit den Filmbildern im Kopf gelesen und ich natürlich auch ständig Vergleiche zum Film gezogen habe. Allerdings unterscheiden sich Buch und Verfilmung in so mancher Hinsicht. Vor allem das Ende wurde bei „Mary und die Blume der Hexen“ sehr verändert.
Wenn man mich jetzt fragen würde, was ich besser finde, Buch oder Film, könnte ich keine eindeutige Antwort geben. Beides ist toll und einzigartig. Allerdings hätte ich es beim Buch nicht schlecht gefunden, wenn es ein paar Seiten mehr umfasst hätte. Besonders das Ende kam mir ein bisschen zu schnell. Dies wäre aber auch der einzige negative Kritikpunkt meinerseits. Ansonsten bin ich echt begeistert von dem Buch und kann es jedem nur ans Herz legen. Und wer den Film noch nicht kennt, sollte das auch unbedingt noch nachholen. Mein Tipp nur: Lest lieber zuerst das Buch. Ich denke, dass diese Reihenfolge besser ist.

In meinen Augen hat die englische Autorin Mary Stewart mit „Der verhexte Besen“ ein zauberhaftes Fantasyabenteuer für Groß und Klein aufs Papier gebracht. Beeindruckend finde ich, dass man der Geschichte überhaupt nicht anmerkt, dass sie inzwischen gute 50 Jahre alt ist. Man kann sie wahrlich einfach nur als zeitlos bezeichnen. Auch der Schreibstil ist in keinster Weise altbacken oder so. Er ist erstaunlich modern und liest sich total angenehm und leicht. Kinder ab 10 Jahren sollten bei dem Buch meiner Ansicht nach keine Probleme mit dem Selberlesen haben.

Also mir hat die Erzählweise ausgesprochen gut gefallen. Für mich hat sich das Buch einfach nur fabelhaft lesen lassen. Hier auch mal ein großes Lob an den Übersetzer Henning Ahrens, der die Geschichte so fabelhaft ins Deutsche übersetzt hat.

Auch von der Handlung bin ich begeistert. Sie ist spannend und amüsant zugleich und steckt voller fantasievoller Ideen. Als Leser*in dürfen wir gemeinsam mit Mary wilde Besenritte durch die Lüfte unternehmen, wir erkunden eine geheimnisvolle Zauberschule und werden zum Ende hin sogar noch auf eine aufregende und ziemlich gefährliche Verfolgungsjagd mitgenommen.

Da mich die Geschehnisse durchgehend packen konnten, das Buch mit seinen gut 174 Seiten ziemlich schlank ist und die Kapitel zudem sehr kurz sind, habe ich „Der verhexte Besen“ in einem Rutsch durchgelesen.

Auch mit den Charakteren konnte das Buch bei mir punkten. Mary, unsere 10-jährige Hauptprotagonistin, aus deren Sicht wir alles in der dritten Person erfahren, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Sie ist ein superliebes und aufgewecktes junges Mädchen, welches man einfach gernhaben muss.

Die Nebenfiguren würde ich nun wahrhaft nicht alle als sympathisch bezeichnen – die böse Direktorin des Internats für Hexerei und Zauberei (das Endor College) wird garantiert niemand liebgewinnen. Insgesamt aber haben wir Leser*innen das große Vergnügen so einige sehr liebenswürdige und außergewöhnliche Personen kennenzulernen zu dürfen, die uns mit ihren schrulligen Eigenarten verzaubern.

Bezüglich des Settings kann ich mich ebenfalls nur positiv äußern. Ob das Herrenhaus von Marys Großtante, das mysteriöse Zauberinternat oder die weiteren Schauplätze – alle Orte werden ungeheuer bildhaft und stimmungsvoll beschrieben, sodass man sich beim Lesen alles ganz genau vorstellen kann und in den Genuss einer magisch schönen Atmosphäre kommt.

Zu guter Letzt, ehe ich zu meinem Fazit komme, muss ich euch unbedingt noch von der Gestaltung des Buches erzählen. Jeder Kapitelanfang wird von einer schwarz-weiß Zeichnung von Shirley Hughes begleitet. Da ist es ja immer Geschmackssache, mir jedenfalls haben die Bilder nicht ganz so gut gefallen. Mir waren sie irgendwie zu skizzenhaft und düster. Das Cover aber (illustriert von Gerda Raidt) mag ich richtig gerne. Ich finde die äußere Aufmachung des Buches wunderhübsch.

Fazit: Eine zeitlos schöne Geschichte voller Magie und Fantasie! Die britische Autorin Mary Stewart hat mit „Der verhexte Besen“ ein ganz besonderes Kinderbuch geschrieben, mit welchem sie mir ein wunderbares Lesevergnügen hat. Die abenteuerliche Geschichte steckt voller Witz, Charme und liebenswerter Eigentümlichkeiten und lässt an keiner Stelle Langeweile aufkommen. Egal ob Jung oder Alt - ich kann „Der verhexte Besen“ wärmstens empfehlen und vergebe 4,5 - hier gerundet auf 5 von 5 Sternen! 

 






 

 

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