Mittwoch, 9. August 2017

[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

Ab 14 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-570-16482-2
Erschienen: 24.07.2017

Klappentext:

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...

Quelle: cbt Verlag

Rezension:

Da dieses Buch ja so gehypt wird und es nach seinem Erfolg in den USA nun auch bei uns in aller Munde ist, wollte ich „The Hate U Give“ auch unbedingt lesen. Das Cover fand ich nicht so wirklich ansprechend und auch der Klappentext hatte mich nicht sofort angesprochen. Da ich aber wissen wollte, warum der Hype um diesen Jugendroman so groß ist, habe ich mir das Buch dennoch gekauft und sogleich mit dem Lesen begonnen.

Das Buch handelt von der 16-jährigen Starr, die mit ihrer Familie in einem verarmten Ghettoviertel wohnt. Ihre Schule dagegen ist eine teure Privatschule, an der sie eine von wenigen Schwarzen ist. Starr lebt also in zwei völlig verschiedenen Welten. Sie ist eher zurückhaltend und steht nicht gerne im Mittelpunkt. Als sie dann aber mitansehen muss, wie ihr Freund Khalil völlig grundlos von einem weißen Polizisten erschossen wird, rückt sie als einzige Zeugin ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Viele halten den Tod von Khalil für gerechtfertigt, da er mit Drogen gedealt hat und angeblich Mitglied in einer Gang war. Auch verbreitet der Polizist, der Khalil erschossen hat, die Lüge, Khalil wäre bewaffnet gewesen. Starr weiß, wie es wirklich gewesen ist und sie will ihren Freund verteidigen. Mit ihrer Aussage hofft sie, dass Khalils Mörder angeklagt und gerecht bestraft wird. Allerdings bringt Starr sich und ihre Familie damit auch in große Gefahr. Das Leben im Ghetto ist hart und brutal und Starr muss eine wichtige Entscheidung treffen, die nicht nur ihre Zukunft, sondern auch die ihrer Familie beeinflussen wird…

Mich konnte die Geschichte vom ersten Moment an packen. Wir erfahren alles aus der Sicht der 16-jährigen Starr, die in einem ständigen inneren Konflikt steht. Zu Hause lebt sie in verärmten Verhältnissen, muss Schießereien mit ansehen und kriegt die Drogenszene hautnah mit. Dass ihr kleiner Bruder zum Spielen auf die Straße geht, ist völlig undenkbar.
Der totale Kontrast dagegen ist ihre Schule, eine Privatschule, die hauptsächliche Weiße besuchen. Hier ist die 16-jährige eine ganz andere Starr. Sie verstellt sich, damit sie akzeptiert wird. Starr ist nicht glücklich mit ihrem Leben und als Leser bekommt man einen sehr guten Zugang zu ihren Gefühlen und Gedanken und kann diese nur zu gut nachvollziehen.
Ich habe bisher nur sehr wenige Bücher gelesen, die das Thema Rassismus behandeln. Es ist zwar ein wichtiges und sehr aktuelles Thema, aber eben auch keine leichte Kost. The Hate U Give konnte mich vom ersten Moment an packen und hat mich sehr berührt. Angie Thomas schildert das Leben im Ghetto genau so wie es ist und verschönt nichts. Dass Starrs Freund Khalil einfach so, ohne jeglichen Grund, von einem weißen Polizisten erschossen wird, ist schockierend, aber ganz bestimmt nicht unrealistisch. Man liest und hört ja immer wieder, wie ungerecht schwarze Menschen gerade in den USA behandelt werden.
Dieses Buch hat mich in Entsetzen, Fassungslosigkeit und Trauer versetzt. Ich habe mir bisher nie näher vorgestellt, wie das Leben für Schwarze in einem Armenviertel ist, aber mit The Hate U Give habe ich einen sehr guten, und leider auch nur zu realistischen, Eindruck bekommen. Ich bin ganz ehrlich, ich halte mich von solchen schlimmen Themen immer lieber fern. Mich macht es immer sehr traurig zu sehen, wie ungerecht viele Menschen aufgrund ihrer Herkunft behandelt werden.

Es war aber auf jeden Fall eine gute und richtige Entscheidung gewesen, dieses Buch zu lesen. Und da es sich um einen Jugendroman handelt, hält sich der Ernst natürlich noch in Grenzen. Angie Thomas ist es wunderbar gelungen, diese Geschichte nicht zu brutal zu schreiben und genau die richtige Dosis Humor mit einfließen zu lassen. So hat mich das Buch nicht nur sehr berührt und schockiert, sondern stellenweise auch zum Lachen gebracht.
Der Schreibstil ist eindeutig der Altersgruppe angepasst. Er ist recht einfach und meiner Meinung nach nichts wirklich Besonderes. Für dieses Buch aber ist er genau richtig. Die Verwendung des amerikanischen Slangs empfand ich als sehr passend, auch wenn mir viele Begriffe nichts gesagt haben und ich immer wieder hinten im Glossar nachschlagen musste, welches sich hinten im Buch befindet und in dem alle wichtigen Wörter erklärt werden.
Mir hat dieser jugendliche Schreibstil wirklich gut gefallen. Er liest sich sehr angenehm und zusammen mit der fesselnden Handlung habe ich das Buch trotz seiner über 500 Seiten sehr schnell durchgelesen.

Obwohl mir das The Hate U Give sehr gut gefallen hat, kann ich den Hype darum dennoch nicht so ganz nachvollziehen. Es kommen zwar viele wichtige Themen zur Sprache wie Rassismus, Gerechtigkeit, Loyalität, Familie und Freundschaft – aber ich würde das Buch nicht als „umwerfend und brillant“ bezeichnen wie Bestsellerautor John Green es getan hat. Sehr schön finde ich, dass auf Familie und Freundschaft hier sehr großen Wert gelegt wirkt. Auch wird natürlich das Thema Rassismus nur zu realistisch und authentisch beschrieben. Ich aber fand es etwas schade, dass der Prozess am Ende und das Urteil sehr knapp ausfielen. Das hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht. Ansonsten kann ich es noch nicht mal genauer erklären, wieso ich nun nicht so hellauf begeistert von dem Buch bin wie ich aufgrund der Meinungen anderer erwartet hätte. Es hat mich zwar berührt und zum Nachdenken angeregt, aber mir hat einfach etwas gefehlt, was meiner Meinung nach diesen Trubel um das Buch rechtfertigt.
Empfehlen kann ich das Buch aber auf jeden Fall sehr! Ich denke schon, dass man The Hate U Give gelesen haben sollte. Angie Thomas ist ein wundervoller Debütroman gelungen, der einem nur zu deutlich vor Augen führt, in was für schrecklichen und ungerechten Verhältnissen viele Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe leben müssen.


Fazit: Ein Jugendroman, welcher schonungslos und nur zu realistisch das wichtige Thema Rassismus behandelt und einen sehr zum Nachdenken anregt. The Hate U Give ist ein sehr bewegender Roman, der einen schockiert, der einen aber auch mit seinem Humor zum Lachen bringen kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und auch sehr berührt, allerdings kann ich den Hype darum nicht ganz nachvollziehen. Von mir bekommt der Debütroman von Angie Thomas natürlich dennoch volle 5 von 5 Sternen!


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